Dennis Riehle

  

Selbsthilfe Zwangsstörungen - Phobien - psychosomatische Störungen und Depressionen  

 

Herzlich willkommen bei der Selbsthilfeinitiative Zwänge - Phobien - psychosomatische Störungen - Depressionen im Kreis Konstanz - und auch darüber hinaus! Schön, dass Sie bei uns vorbeischauen. Als Betroffener, der seit 1998 an einer komplexen Zwangserkrankung, seit 2003 an Depressionen und einer generalisierten Angststörung mit Panikattacken, ab 2005 an einer Biopolaren Störung, seit 2014 an einer dissoziativen, Anpassungs- und Belastungsstörung sowie seit 2016 an einer wahnhaften Störung mit einer Halluzinose leidet, sind mir unterschiedliche psychische Erkrankungen bestens bekannt.


Beratung


Im Folgenden können Sie mehr über die verschiedenen Krankheitsbilder erfahren. Sofern Sie Fragen haben sollten oder Kontakt suchen, dann schreiben Sie uns gern unter selbsthilfearbeit@riehle-dennis.de.
 Beachten Sie hierzu die folgenden Angaben:


Mit der Zusendung einer Beratungsanfrage geben Sie eine erste Einwilligung in die Verarbeitung Ihrer personenbezogenen Daten nach Art. 6 Abs. 1 der Europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Darüber hinaus ist es aber erforderlich, dass Sie mir gemäß Art. 9 Abs. 2 lit. a) DSGVO i. V. m. Art. 6 Abs. 1 lit. a) DSGVO auch die Erlaubnis zur Verarbeitung Ihrer sensiblen und gesundheitsbezogenen Personendaten geben. Hierzu erhalten Sie nach Kontaktaufnahme von mir eine Datenschutzerklärung, die Sie ebenfalls per Mail an mich zurücksenden, um somit ausdrücklich Ihre Einwilligung zu erklären. Inbegriffen ist dort auch ein Haftungsausschluss. Erst nach Eingang dieser Erklärungen bei mir darf ich schlussendlich Ihre ursprüngliche Nachricht mit Ihrem entsprechenden Anliegen öffnen und bearbeiten.

 

Selbsthilfe kann keine fachkundige medizinische, (psycho-)therapeutische oder heilkundliche Diagnostik, Behandlung und Begleitung oder eine gesetzlich geregelte Pflegeberatung ersetzen. Überdies stellt sie auch keine fachkundige Rechtsberatung dar, sondern nur eine allgemeine Sozialgesetzaufklärung. Wir dürfen keine juristische Einfallprüfung oder individuelle Bewertung vornehmen. Hierfür wenden Sie sich bitte zur weitergehenden Hilfestellung an einen Rechtsanwalt. Die Beratung der Selbsthilfe konzentriert sich auf die psychosziale Unterstützung im Umgang mit den jeweiligen Krankheitsbildern im Alltag und vermittelt Erfahrungsexpertise zwischen Patienten, um gegenseitige Unterstützung zu leisten und mit Ermutigung und Zuversicht durch schwierige Lebenssituation hindurchtragen zu können. Sie versteht sich lediglich als ergänzendes Beratungsangebot von Betroffenen für Betroffene (Angehörige). Eine Gewähr ist ebenso wie eine rechtliche Haftung nicht möglich. Es gilt das Gebot der Vertraulichkeit und Verschwiegenheit. Ihre Daten werden ausschließlich zur Bearbeitung Ihrer Anfrage genutzt und anschließend gelöscht. Eine kommerzielle Verwendung wird ausgeschlossen. Weitere Informationen finden Sie im Disclaimer und dem Datenschutz, die auch für dieses vorliegende Selbsthilfeangebot gelten.


Viele Grüße
Ihr Dennis Riehle


Hintergrund: Zwangserkrankungen

 


Zwänge - das ist zwar ein einfacher Begriff, den wir im Alltag alle benutzen. Doch was sich hinter der Erkrankung verbirgt, das ist der breiten Öffentlichkeit eher unbekannt. Selbst Betroffene und Angehörige sind mit der Diagnose meist überfordert. Und auch in der Fachwelt ist noch manch Aufklärung über die Zwangsstörung nötig, weshalb wir als Selbsthilfeinitiative Antistigmatisierung vorantreiben möchten und manche Voreingenommenheit abbauen wollen.

Zunächst gilt: Wir unterscheiden zwischen Zwangshandlungen und Zwangsgedanken. Oftmals treten sie gemeinsam auf, manche Patienten leiden allerdings auch nur an einer Form der Zwänge.

 

Bei Zwangshandlungen sind die schon eher bekannten Waschzwänge (übermäßig häufiges und intensives Waschen oder Duschen), Kontrollzwänge (Türen mehrmals abschließen, Herdplatte kontrollieren etc.), Ordnungs-, Zähl- oder auch Putzzwänge gemeint. Zusätzlich zählen nach unterschiedlichen Auffassungen auch die Kleptomanie und die Trichotillomanie (zwanghaftes Haareausreißen) sowie das "Tourette-Syndrom" zur Gruppe der "Zwangsspektrumsstörungen".


Zwangsgedanken unterteilen sich dagegen in bisher drei bekannte Themenbereiche. Sexuelle, religiöse und aggressive Zwangsgedanken. Darunter versteht man eine zwanghafte, also immer wiederkehrende, stereotype Vorstellung oder Einbildung von Situationen, Ängsten oder auch Prophezeiungen. So sind religiöse Zwangsgedanken häufig mit der Furcht vor einem "strafenden Gott" verbunden. Sexuelle Zwangsgedanken treten in der Pubertät, aber auch in späteren Lebensjahren auf, zumeist kombiniert mit einer Angst vor Vergewaltigung, Infizierung (Aids, Syphilis...) oder sexuellen Kontakten. Aggressive Zwangsgedanken zeigen sich durch Vermutungen, Befürchtungen oder Sorgen, Angehörigen oder der Person selbst könne etwas zustoßen. Zwangsgedanken sind dabei hartnäckig und ständig kreisend, sie bleiben aber von der Realität streng abzugrenzen.


Die Ursachen der Zwangserkrankung können vielfältig sein. So ist nachgewiesen, dass die Veranlagung zu einer psychischen Erkrankung, beispielsweise zu Zwängen, auch von den Vorfahren weitergegeben werden kann. Genetische Komponenten sind somit zwar nicht zu leugnen. Vielmehr ist aber klar festzuhalten: Das Kind einer zwangserkrankten Mutter muss keinesfalls selbst an Zwängen erkranken. Stattdessen finden sich in der Krankheitsgeschichte des Betroffenen selbst oftmals traumatische Kindheitserlebnisse, ängstlich-vermeidende Erziehungsmuster oder perfektionistische Angewohnheiten im späteren Jugendalter, die erste Hinweise auf die potenziellen Gründe für den Ausbruch der Zwangsstörung liefern. Brennpunkte können hierbei die Familie oder die Schule sein, die Frage der sozialen Integration oder einer möglichen Überforderung (Stresssituationen) spielen ebenfalls eine Rolle. Psychoanalytisch ist bei der Zwangserkrankung von einer Überregulierung des Kontrollbedürfnisses unangenehmer Gefühle auszugehen. Der verhaltenstherapeutische Ansatz folgt dagegen der Theorie, dass der Betroffene es verlernt hat, auf Gedanken adäquat zu reagieren. Stattdessen bewertet er sie automatisch und reflexartig als negativ. Durch diese Konditionierung fällt er in ein Vermeidungsverhalten, das die Intensität der sich aufdrängenden Gefühle und Gedanken wiederum erhöht. Durch gegenwärtige Geschehnisse können Zwänge verstärkt werden. Die Ursachen müssen jedoch individuell beleuchtet werden.


Eine Psychotherapie gegen Zwänge ist heute gut möglich. Viele Wissenschaftler sehen die Konfrontations- oder Verhaltenstherapie als einzige Lösung an. Hierbei wird einerseits mit sich wiederholender "Exposition", also dem sich Aussetzen der zwangsauslösenden Situation, versucht, eine Normalisierung der Körperreaktion und damit eine Abflachung der Stresskurve zu erreichen. Denn die Theorie sagt, dass sich bei regelmäßigem Konfrontieren mit den angstverstärkenden Reizen eine Beruhigung der krankheitsbedingt hohen Anspannung einstellt, wodurch der Drang, den Gefühlen mit einer neutralisierenden Zwangshandlung oder einem prüfenden Zwangsgedanken zu begegnen, gesenkt wird. Diese Exposition sollte im Idealfall mit einer kognitiven Arbeit verbunden werden. Denn das Rückführen von Gedanken und Handlungen auf ein rationales Niveau ist zwingend, um dem Betroffenen auch langfristig die Möglichkeit einzuräumen, Rückfallprophylaxe zu betreiben. Nicht zuletzt fließen Methoden des "Biofeedback" oder der Selbsthilfe verstärkt in die therapeutische Behandlung der Zwangsstörung mit ein. Gerade bei isolierten Zwangsgedanken, aber auch beim Verdacht auf weitreichende Persönlichkeitsprobleme als Ursache des Störungsbildes sind tiefenpsychologische und psychoanalytische Behandlungswege denkbar.


Therapiemöglichkeiten gibt es auch aufgrund des chemisch-biologischen Hintergrunds in der Psychiatrie. Zwänge werden (wie auch andere psychische und psychosomatische Erkrankungen) durch eine unzureichende Verwertung des Serotonins ("Glückshormon") im synaptischen Spalt des Gehirns begünstigt. Dieser Ursache kann man mit sogenannten SSRI (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer), einer speziellen Art von Antidepressiva, die die Wirkung des Serotonins in den Nervenzellen wieder ankurbeln sollen, unter Umständen entgegenwirken. Allerdings kann auch ein Einsatz von Neuroleptika (besonders bei therapieresistenten Zwangsgedanken oder Zwängen mit psychotischer Komponente) oder einer anderen Gruppe der Antidepressiva (SNRI, trizyklische...) nötig werden. Die Nebenwirkungen sind aufgrund der weiterentwickelten Präparate, die auf dem Markt zur Verfügung stehen, weit weniger dramatisch als noch vor Jahrzehnten. Dennoch muss bei jedem Einsatz von Psychopharmaka geprüft und abgewogen werden: Der Nutzen eines Wirkstoffs sollte das Risiko möglicher Begleiterscheinungen der Therapie deutlich überwiegen. Langzeitschäden sind von der Behandlung mit SSRI kaum zu erwarten, gleichsam scheint das Risiko einer Abhängigkeit gering. Entscheidend für den Erfolg der Therapie ist der Durchhaltewille des Betroffenen, anfängliche Nebenwirkungen zu durchstehen und die positiven Effekte der pharmakologischen Behandlung abzuwarten.


Die Auswirkungen von Zwängen auf das Leben sind vielfältig. Wenngleich Zwangsstörungen oftmals einen chronischen Verlauf nehmen und eine Heilung dadurch schwierig wird, lassen sie sich in vielen Fällen doch so weit reduzieren, dass die Beeinträchtigung der Lebensqualität gering ist. Allerdings lässt sich bei Zwangserkrankten durch nicht selten gleichzeitig auftretende Depressionen oder Ängste (Komorbidität) ein oftmals schwerwiegendes Krankheitsbild feststellen. Daher ist die schnellstmögliche Hilfe zur Diagnose und Therapie bei Anzeichen einer krankhaften Zwangsstörung erforderlich.


Zur Definition muss abschließend klar gesagt werden, dass nicht jedes Kontrollieren der Herdplatte, jedes Prüfen des Türschlosses oder jeder aggressive Tagtraum eine Zwangserkrankung ist. Natürliche Zwänge hat glücklicherweise jeder Mensch - zur eigenen Vorsicht. Von einer Zwangserkrankung sprechen wir erst, wenn sich die Handlungen oder Gedanken manifestieren und zum Alltag werden, das heißt, auch die Lebensqualität merklich einschränken und Leidensdruck entsteht.


Bitte beachten Sie: Alle Informationen sind aus Betroffenensicht zusammengestellt. Sie können keine fachkundige Auskunft ersetzen!


 

 

Es informieren auch folgende Internetseiten:


www.zwaenge.de - die "Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen e.V." (DGZ)

www.zwaenge.ch - die "Schweizer Gesellschaft Zwangserkrankungen"


 

Hintergrund: Phobien              

Eigentlich kennt es jeder aus der Schulzeit: Die Vokabeln sind nicht gelernt und der Lehrer ruft ausgerechnet mich auf. Der Puls wird schneller, man beginnt zu schwitzen, es ist peinlich, vor der ganzen Klasse zu versagen - man errötet.  Oder das Halten eines Referats - man ist unglaublich aufgeregt, oftmals so sehr, dass man kaum noch sprechen kann, vielleicht versagt die Stimme, man zittert. Dieses Phänomen, das eigentlich jeder Mensch im Laufe seines Lebens einmal kennengelernt hat, ist eine ganz normale, gesunde Reaktion unseres Körpers - und niemand würde hier einen Grund zur Besorgnis erkennen.


Schwieriger wird es dann, wenn sich solch ein Muster verselbstständigt. Wenn ein Auftreten in Gesellschaft kaum mehr möglich ist. Dann steigt der Leidensdruck, die Angst wird zum ständigen Begleiter. So kann die ausgelassene Party am Wochenende für einen Patienten mit sozialer Phobie zum Horror werden. Im Angesicht von mehreren Menschen essen zu müssen. Sich auf der Tanzfläche falsch zu bewegen. Uncoole Sprüche abzugeben. Oder aber in der Uni zu sitzen, seine Hausarbeit zu schreiben und von den Mitstudierenden beäugt zu werden. Beim Familienfest das Besteck nicht richtig in der Hand zu halten, zu schmatzen. Allessamt Momente, in denen wir in den Mittelpunkt rücken. Sie sind für Betroffene einer sozialen Phobie Auslöser schwerster Angst- und Panikreaktionen.


Dort, wo andere Menschen in fröhlicher Gemeinschaft beisammenstehen, klinken sich Angstpatienten aus, aus Sorge, sich zu blamieren. Der soziale Rückzug ist damit eingeleitet, das Vermeidungsverhalten hemmt jegliche Aktivität in der Gesellschaft. Menschen mit sozialer Phobie fühlen sich oftmals beobachtet, stehen unter ständigem Druck, sich in Umgebung von Menschen auffällig zu verhalten und damit einen "schlechten" Eindruck zu hinterlassen. Das, was Anderen nicht einmal auffallen würde, ist Sozialphobikern besonders peinlich. Die Sensibilität der Betroffenen ist stark ausgeprägt. Der Drang zu Rückzug und Isolation macht ein Leben in sozialem Umfeld kaum noch möglich.

 

Als besonders belastend gilt auch die Agoraphobie: Die Angst vor großen Räumen, weiten Plätzen, vielen Menschen oder der Entfernung von Zuhause bereitet den Erkrankten derartige Probleme, dass sie entsprechende Situationen meiden. Kein Besuch des Weihnachtsmarktes, kein Sitzen im Hörsaal, keine Urlaubsreise in die Ferne. Stattdessen leben die Betroffenen mit der ständigen Angst, in einen die Panik auslösenden Moment zu geraten, der mit Horrorszenarien verbunden wird: Die Sorge, sich nicht mehr aus einer Menschenmasse befreien zu können, die Kontrolle über sich zu verlieren, nicht mehr das Heft des Handelns in der Hand zu haben. Bei den Panikattacken fühlen sich die Betroffenen oftmals in einer lebensbedrohlichen Situation, haben Erstickungsängste, einen kaum mehr messbaren Herzschlag und Blutdruck. Sie übergeben sich, empfinden Druck auf der Brust und scheinen wie benommen.


Spezifische Ängste (auch Phobien genannt) richten sich gegen Tiere (Spinnen, Mäuse etc.), betreffen die Furcht vor Höhe oder finden Ausdruck in der Sorge vor dem Fliegen. Betroffene vermeiden den Kontakt mit entsprechenden Situationen und zeigen panikartige Symptome bei der Auseinandersetzung mit den jeweiligen Reizen. Die Schwere und die Bedeutung des Krankheitsbildes richtet sich nach der jeweiligen Bedeutung der Phobie für den Alltag des einzelnen Betroffenen.


Auslöser der Ängste können Bloßstellungen in der Kindheit, Mobbing oder Ablehnung im Elternhaus sein. Aber auch eine extrem gefühlsbetonte Erziehung oder fehlendes Selbstvertrauen spielen wichtige Rollen. Patienten sind von sich kaum überzeugt und kritisch im Umgang mit der eigenen Person. Gleichsam sind traumatische Erlebnisse oder übermäßige Stress- und Belastungssituationen als mögliche Erklärungsansätze denkbar. Nicht zuletzt sind
negative Erfahrungen mit den angstauslösenden Reizen, besonders bei den spezifischen Phobien, als entsprechende Traumata ursächlich anzunehmen.


Die Behandlung erfolgt meist über eine Konfrontationstherapie, in der Therapeuten mit den Betroffenen gezielt die angstauslösenden Situationen aufsuchen und mit intensiver Begleitung der Körperwahrnehmung versuchen, den Stresspegel langsam zu senken. Körper und Gehirn sollen "lernen", dass die Ängste unbegründet sind, dass in den potenziellen Gefahrensituationen nichts passiert. Um diese Einsicht zu erlangen und damit eine Reduktion der Angst zu erreichen, sind zumeist wiederholende Expositionen nötig. Psyche und Physis müssen sich zunächst an die "Normalität" gewöhnen, an den Umstand, dass die Angstreaktion übertrieben oder gar unnötig war. Auch tiefenpsychologisch können Ursachen erforscht werden: Im Gespräch werden die Erfahrungen aus Kindheit und Jugend beleuchtet und neu bewertet. In der Psychoanalyse können familiäre Konflikte, Einflüsse des sozialen Umfeldes, unterdrückte Gefühle oder Unstimmigkeiten in persönlichen Beziehungen als Auslöser der Ängste angesehen werden. Psychopharmakologisch werden angstlösende Antidepressiva verordnet, in besonders schweren Fällen können für kurze Zeit auch Sedativa, Tranquilizer beziehungsweise Benzodiazepine eingesetzt werden.

 

Die Phobien haben oftmals intensive psychosomatische Beschwerden als Folge, wie starkes Zittern, Schweißausbrüche, erhöhten Pulsschlag und Kopfschmerzen. Zudem ist auf eine hinreiche psychosoziale Begleitung der Betroffenen zu achten. 


Erfahrungsbericht Phobie
Die Angst vor Menschen, Türen und Spaghetti Bolognese… (2017)


Links:


www.schuechterne.org


www.angstselbsthilfe.de
 

Bitte beachten Sie: Alle Informationen sind aus Betroffenensicht zusammengestellt. Sie können keine fachkundige Auskunft ersetzen!

 


Hintergrund: Depressionen

Sie gelten bereits als "Volkskrankheit":  Depressionen sind zu einem der häufigsten psychischen Probleme in unserer Gesellschaft geworden - und treffen immer mehr Menschen.

 

Manchmal werden wir "nur" von einer Phase der Traurigkeit eingeholt - wenn uns Schicksalsschläge treffen, der Arbeitsplatz wegfällt, eine Trennung ansteht oder eine enge Bezugsperson verstirbt. In solchen Situationen verharren wir alle zunächst in tiefer Deprimiertheit und verspüren über kurze Zeit, in unserer Stimmung gedrückt zu sein. Solche Reaktionen sind als vollkommen normal zu werten und sollten keinesfalls pathologisiert werden.


Sollten sich entsprechende Symptome jedoch manifestieren, so kann bei Vorliegen der jeweiligen Voraussetzungen (beispielsweise Dauer und Intensität der Beeinträchtigung) von einer Depression gesprochen werden. Durch unterschiedliche Ursachen wie Hormonveränderungen, Veranlagung, tiefe Lebenseinschnitte, als Folge oder Kombination mit anderen psychischen Erkrankungen sowie durch Einwirkungen von außen (soziale Konflikte, familiäre Auseinandersetzungen, persönliche Notlagen etc.) werden wir immer wieder - oder gar dauerhaft - in Perspektivlosigkeit, Freudlosigkeit, Erschöpfung, Kraftlosigkeit, Müdigkeit, sozialen Rückzug, Verlangsamung, traurige Gedanken und Angst gedrängt. Treten im Gegenzug auch gegenteilige Phasen auf, in denen überschwängliche Vorstellungen, Narzissmus, starker Redefluss, Unruhe, psychotisch anmutende Überzeugungen von Grenzenlosigkeit, Erfolg und Überhöhung eintreten, ist möglicherweise eine manische Phase der Grund, die auf eine bipolare Störung hindeutet - also den Wechsel zwischen "Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt".


Auch psychosomatische Reaktionen sind bei depressiven Erkrankungen nicht selten, wie allgemeines Unwohlsein, Schmerzen oder Übelkeit. Mit diesen Symptomen äußert der Körper auf seine Weise den belastenden Zustand der Depression. Nachdem die Unterscheidung zwischen einer tatsächlich physischen Ursache dieser Warnzeichen und den Begleiterscheinungen einer Depression sehr schwer fällt, wird der psychische Grund oftmals erst spät entdeckt. So verzögert sich die Diagnosestellung gerade bei Patienten, deren Depression hauptsächlich durch somatische Symptome einhergeht. Immer öfter werden Depressionen gerade im höheren Alter auch mit demenziellen Störungen verwechselt (und umgekehrt), die gerontopsychiatrischen Krankheitsbilder ähneln den Depressionen immer wieder, müssen aber nicht deckungsgleich mit ihnen sein.   


Nicht selten sind Depressionen heute auch Folge von Mobbing, Ausgrenzung und sozialer Isolation. Das gezielte und oftmals auch strukturierte Bloßstellen von Kollegen, Angehörigen oder Freunden, Provokation oder andere Formen der Schikane werden dabei dauerhaft zu einem nervenaufreibenden Druck, der sich in Depressionen und Hilflosigkeit entlädt. Immer mehr Menschen bemängeln überdies, im Leistungsgedanken der Gesellschaft "unterzugehen" und dadurch ein Gefühl des Verlustes von Selbstbewusstsein zu erleben, das sich zunehmend häufig in depressiven Erkrankungen chronifiziert.


Gleichzeitig klagen viele Betroffene immer öfter über ein komplexes Syndrom: Das Burn- und Boreout als Zeichen von stetiger Über- oder Unterforderung, Stress, fehlender Abwechslung im Alltag, Sinnkrisen oder einem Missmanagement in der Sortierung von Aufgaben, Anforderungen und Pflichten - die Ansprüche in einer schnelllebigen Gesellschaft wachsen zusehends, das "Ausgebranntsein" wird zu einem Modephänomen ganzer Generationen. Und oftmals muss dann bereits von einer beginnenden Depression gesprochen werden.

 

Die Behandlung der Erkrankung gilt heute als erfolgversprechend. Neben dem Einsatz neuer Generationen der Psychopharmaka (SSRI / SNRI), trizyklischer Antidepressiva oder bestimmter Gruppen der Neuroleptika ist vor allem die Psychotherapie ein entscheidendes Kriterium für eine Linderung der Symptome. Neben der Verhaltenstherapie, die mit kognitiven und expositorischen Maßnahmen Ursachen rational aufarbeitet und die Rückkehr in einen geregelten Alltag vorbereitet, bieten sich je nach Krankheitsgeschichte auch psychoanalytische oder tiefenpsychologische Verfahren an, um etwaige Ursachen aufzuarbeiten. Auch psychosomatische Klinikaufenthalte mit einem breiten Therapieangebot können als Krisenintervention Stabilisierung bringen. Bei bipolar Erkrankten ist zudem auf eine Phasenprophylaxe zu achten, die in der Regel mit Lithium erfolgt. In manischen Krankheitsmomenten kommen unter anderem bestimmte Neuroleptika zum Einsatz. 


Erfahrungsbericht Depression
Depression: Unser Leben braucht stets den Plan B… (2017)


Erfahrungsbericht Bipolarität
Wohin nur mit all den ausgerissen Bäumen? (2017)


Links:

 

www.depressionsliga.de

www.dgbs.de   

Bitte beachten Sie: Alle Informationen sind aus Betroffenensicht zusammengestellt. Sie können keine fachkundige Auskunft ersetzen!

 


Hintergrund: Psychosomatische und 

organisch psychische Krankheiten


 


Bei psychosomatischen Krankheiten reagiert der Körper mit Symptomen auf seelische Dysbalancen. Da der Zustand unserer Psyche nicht immer sichtbar ist, werden psychosomatische Erkrankungen zumeist erst dann diagnostiziert, wenn physischen Gebrechen keine nachweisbare oder ausreichend erklärende Ursache zugrunde liegt. Für Betroffene bedeutet dies nicht selten einen großen Leidensdruck.

Besonders häufig kommen psychosomatische Schmerzstörungen vor. Zumeist liegt ihnen zwar eine körperliche Grunderkrankung zugrunde, die aber das Ausmaß der empfundenen Schmerzen nicht umfasst. Somatoforme Störungen können autonom auftreten, also nur ein bestimmtes Organ betreffen (nicht selten Magenprobleme, Rückenbeschwerden, Kopfschmerzen, Atemprobleme, Herzrhythmusstörungen...).


Eine deutliche Ausprägung an Leidensdruck findet sich in den dissoziativen Störungen (Konversionsstörungen), bei denen oftmals gravierende Einschränkungen ohne nachvollziehbare körperliche Ursache auftreten. So sind dies beispielsweise Lähmungserscheinungen, Spastiken, Empfindungsstörungen, unwillkürliche Bewegungen, aber auch Störungen des Erinnerungsvermögens. Gleichsam können Besessenheits- oder Trancezustände eine Rolle spielen. Nicht selten sind Parallelen zu Persönlichkeitsstörungen zu erkennen.


Bei der Neurasthenie liegt ein Erschöpfungszustand vor, der sich nicht ausreichend durch körperliche Beschwerden oder Anstrengung erklären lässt und bei dem die Ermüdung auch geistige Bereiche betrifft. Die Fähigkeit, sich zu entspannen, ist verringert. Häufig treten Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und andere Symptome gleichzeitig auf.


Psychosomatische Beschwerden sind häufig auch Ausdruck einer Belastungs- und Anpassungsstörung. Nach schlimmen Erfahrungen, Traumata oder einschneidenden Ereignissen (Tod von Angehörigen, Krieg, Gewalt, Missbrauch, Krankheit) tritt eine akute oder länger andauernde psychische Reaktion in Form depressiver und ängstlicher Symptomatik in oftmaliger Verbindung mit völliger Erschöpfung und Zusammenbruch auf. Die Problematik kann sich auch erst Jahre nach dem Ereignis zeigen (PTBS = Posttraumatische Belastungsstörung). Hat der Betroffene Schwierigkeiten, mit einem solch nachhaltigen Erlebnis dauerhaft umgehen zu können, so chronifiziert sich häufig der soziale Rückzug und die Isolation.


Die Therapie umfasst wesentlich das sorgsame Verständnis von Zusammenhängen zwischen Psyche und Körperreaktionen. In einer Verhaltenstherapie, aber auch in analytischen und tiefenpsychologischen Verfahren wird versucht, durch langsame Verarbeitung der Beschwerden und möglicher Ursachen Entlastung zu schaffen. Schlussendlich steht eine Form der zunehmenden Selbstwertstabilisierung, Achtsamkeit und des nachsichtigen Umgangs mit sich selbst im Mittelpunkt. Für gewisse Schmerzzustände kommen zudem besonders ausgewählte Psychopharmaka als begleitende Behandlungsmaßnahme in Betracht; auch die Symptome der Depression und Angst können durch Medikamente mitbehandelt werden. 

 

Oftmals haben psychische Störungen auch einen organischen Ursprung. Nicht nur Demenzerkrankungen mit einem Rückgang der Gedächtnisleistungen, mit Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, Problemen in der Alltagsbewältigung, Vergesslichkeit und räumlich-visuellen Symptomen gehören zu dieser Kategorie, auch leichte kognitive Störungen, bei denen ähnliche Einschränkungen auftreten, gleichzeitig aber kein neurodegenerativer Prozess zu beobachten ist und die Auswirkungen auf den Lebensalltag gering bleiben, werden hinzu gezählt.

 

Weitgehend alle psychischen Störungen können abseits einer seelischen Ursache auch organische Gründe haben. So sind es Auswirkungen von Toxinen, Drogen, Medikamenten oder Alkohol, die beispielsweise eine organisch affektive Störung, also eine manisch-depressive Erkrankung auf Basis einer symptomatischen Ausgangssituation, auslösen können. Auch eine organisch wahnhafte, eine organisch ängstliche oder eine organisch dissoziative Störung (beispielsweise der Verlust von Sensibilität oder Motorik einer Extremität oder eines Extremitätenabschnitts mit Lähmungen, Gefühlsstörungen etc.) sind denkbar.

 

Beim Delir können gerade bei  älteren Menschen Verwirrtheitszustände durch eine geringe Trinkmenge, eine falsche Medikamenteneinnahme oder Blutdruckschwankungen auftreten. Wesensveränderungen aufgrund einer Einwirkung auf das Gehirn (Unfall, Gewalttat, Blutungen oder Schlaganfall) werden dem Spektrum der organisch psychischen Störungen gleichsam zugerechnet.

 

Diagnose und Behandlung erfolgen auf selbigem Weg wie bei rein seelisch bedingten Störungsbildern. Die Differenzialdiagnose einer organischen Ursache ergibt sich meist aus der Anamnese (Krankengeschichte) des Betroffenen.

Erfahrungen_Psychosomatik
Wenn plötzlich die linke Körperhälfte fehlt... (2017)

 

Bitte beachten Sie: Alle Informationen sind aus Betroffenensicht zusammengestellt. Sie können keine fachkundige Auskunft ersetzen!

 

Weitere Hilfen

 

Wir kooperieren freundlich mit folgenden Plattformen und Angeboten:

www.impulsdialog.de

 




Zudem verweise ich auf die Petition und die Zusammenfassung:


Zusammenfassung
Zwangserkrankung, Phobie, Depression, psychosomatische Störungen



Konstanz, 14. Mai 2021


Petition an den Deutschen Bundestag

Maßnahmen zur Reduzierung der Wartezeit auf Psychotherapie-Plätze


Petitionslaut:


Der Deutsche Bundestag möge legislative Schritte unternehmen, um den übermäßig langen Wartezeiten auf einen Psychotherapie-Platz in Deutschland durch Änderungen in der Bedarfsplanungs-Richtlinie sowie in §§ 99ff. SGB V entgegenzuwirken. Daneben sind weitere Maßnahmen zu beschließen, um die Versorgungssituation psychisch Kranker zu verbessern.


Begründung:


Seit der Wartezeitenstudie der Bundespsychotherapeutenkammer aus dem Jahr 2018, die deutschlandweit eine durchschnittliche Wartezeit auf einen Psychotherapie-Platz von fünf bis sechs Monaten auswies, hat sich kaum etwas verändert. Im Gegenteil: Durch die psychischen Konsequenzen, die sich für viele Menschen aus den Lockdown-Maßnahmen in der Covid-19-Epidemie ergeben, haben sich die Engpässe weiter zugespitzt. Denn nicht nur Betroffene, die bereits an seelischen Erkrankungen litten, sind durch die momentane Ausnahmesituation oftmals vor eine Verschlechterung ihrer Symptome gestellt. Besonders die erstmalig von einer psychischen Diagnose heimgesuchten Patienten sind mit dieser Nachricht nicht selten überfordert und verzweifelt zugleich. Sie brauchen dringende Unterstützung – und werden in einigen Regionen nicht einmal mehr auf die Wartelisten bei den Therapeuten und psychotherapeutisch tätigen Ärzten aufgenommen. Uns erreichen Meldungen aus Baden-Württemberg, wonach Patienten in akuten Krisen vertröstet werden – und letztlich den Weg in ein Krankenhaus suchen müssen, weil ihnen ambulant keinerlei fachärztliche oder psychotherapeutische Hilfe zuteilwird.


Weder das neu geschaffene Angebot der Terminvermittlung bei den Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen, noch die sogenannte ‚Psychotherapeutische Sprechstunde‘ haben eine wesentliche Entlastung gebracht. Denn letztlich erhalten viele Betroffene im Rahmen dieses einstündigen Formats zwar eine erste Einschätzung über Schweregrad ihrer Beschwerden und die Dringlichkeit einer therapeutischen Intervention. All das nutzt aber nichts, wenn aus der Inanspruchnahme der Sprechstunde keine Psychotherapie folgt, weil es an Plätzen hierfür mangelt. Und auch die Reform der Bedarfsplanung aus 2019 ist verpufft. Einerseits haben die Krankenkassen damals die empfohlene Anzahl an neu einzurichtenden Arzt- und Therapieplätzen enorm gedrückt. Andererseits sind die mittlerweile einbezogenen Faktoren nicht abschließend. Dass die Wartezeiten auf einen Therapieplatz nicht mit dem Grundsatz vereinbar sind, den die Politik beispielsweise in der Pflege verfolgt (‚ambulant vor stationär‘), macht die Tatsache deutlich, dass Patienten mittlerweile schneller einen Behandlungsplatz im psychiatrischen Krankenhaus erhalten als einen Termin bei einem niedergelassenen Psychotherapeuten. Daher ist der Petent überzeugt, dass den monatelangen Wartezeiten auf einen Psychotherapie-Platz umgehend entgegengewirkt werden muss und fordert deshalb die folgenden Änderungen an der Bedarfsplanungs-Richtlinie und §§ 99ff. SGB V:


  • Obwohl zwar mittlerweile Einwohnerzahlen, Geschlecht und Krankheitszustand der regionalen Bevölkerung (Morbidität) berücksichtigt werden und eine zweijährige Aktualisierung erfolgt, sind noch immer zahlreiche Punkte ausgeblendet worden: Nachdem Studien ergeben haben, dass sich die Zahlen über das Vorkommen psychischer Erkrankungen zwischen städtischem Ballungsgebiet und ländlichem Raum kaum unterscheiden (vgl. Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (2019): Reform der Bedarfsplanung: Noch immer zu wenig Psychotherapeuten auf dem Land. https://www.bdp-verband.de/presse/pm/2019/reform-der-bedarfsplanung.html, 13.05.2021), ist darüber zu diskutieren, ob es den Regionentypus weiterhin bedarf oder eine einheitliche Verhältniszahl (Psychotherapeuten pro Einwohner) dem tatsächlichen Bedarf nicht näherkommt. Immerhin werden noch immer 35 Therapeuten für 100.000 Bewohner in der Großstadt berechnet, während auf dem Land nur etwa 19 Psychotherapeuten auf dieselbe Einwohnerzahl vorgesehen sind. Am sinnvollsten erscheint eine bundesweit einheitliche Verhältniszahl, die nicht mehr zwischen Stadt und Land unterscheidet. Damit wäre auch dem Vorgehen die Grundlage entzogen, wonach in der Bedarfsplanung noch immer davon ausgegangen wird, dass Psychotherapeuten in der City die umliegende Peripherie mitversorgen würden.
  • Zwingend in die Bedarfsplanung einbezogen werden müssen auch die wirtschaftliche Stärke einer Region und die damit verbundene Sozialstruktur der Bevölkerung. Denn gerade eine Veränderung der ökonomischen Lage ist ein wichtiger vorausschauender Indikator dafür, wie sich die Verbreitung psychischer Erkrankungen in einem Gebiet entwickeln wird. Immerhin ist seit langem bekannt, welch enge Verzahnung beispielsweise zwischen Arbeitslosenquote und Zahl der seelisch Erkrankten besteht. Mit einer Abbildung der gesamtgesellschaftlichen Situation in einem Areal würde man sich in der sachgerechten und realitätsnahen Bedarfsplanung ehrlicher tun.
  • In der Bedarfsplanung darf man sich zudem nicht länger allein auf den Ist-Zustand verlassen. Ein prävalenzbasierter Ansatz ist vonnöten, der eine Vorausrechnung des Bedarfs ermöglicht. Schließlich konnte man auch in der Vergangenheit bereits absehen, dass die Nachfrage an Psychotherapie über die kommenden Jahre steigen würde. Dennoch hat man gerade aufgrund der unzureichenden Einbeziehung von Prognosen in die Bedarfsplanung eine adäquate Versorgung verschlafen, was uns nicht erst seit Corona auf die Füße fällt.
  • Darüber hinaus muss das ‚Mogeln‘ um die tatsächlich vorhandenen Psychotherapie-Plätze beendet werden. Immer häufiger sind Ärzte und Psychotherapeuten nicht mehr voll berufstätig, weil sich viele der Teile der wachsenden Zahl älterer Mediziner und Therapeuten aus dem Arbeitsleben „schleicht“, also schrittweise Stunden reduziert. Diesem Umstand wird in der Bedarfsplanung unzureichend Rechnung getragen. Daneben ist es unredlich, dass weitgehend unbeachtet bleibt, wonach psychotherapeutisch tätige Fachärzte natürlich nicht nur Psychotherapie anbieten. Oftmals ist sie ein ‚Nebengeschäft‘, während die medizinische Sprechstunde im Vordergrund steht. Nicht jeder augenscheinliche Psychotherapie-Sitz kann daher auch als 100-prozentiges Psychotherapie-Angebot berechnet werden.


Neben diesen Anpassungen an der Bedarfsplanung werden folgende Beschlüsse gefordert:


  • Zur raschen Entschärfung der Versorgungslücken sollte die Einbeziehung der privat tätigen Psychotherapeuten in die Versorgung erfolgen. Die Gesetzlichen Krankenkassen müssten entsprechend verpflichtet werden, die Kosten für die Inanspruchnahme dortiger Psychotherapie ohne längere Prüfungsverfahren zu erstatten (vgl. § 13 Abs. 3 SGB V).
  • Langfristig ist eine sektorenübergreifende Versorgung anzustreben. Damit ist vor allem gemeint, dass die Vernetzung der unterschiedlichen Anbieter therapeutischer und beratender Maßnahmen verbessert wird und Psychotherapeuten wie Krankenkassen somit über die Standesgrenzen hinwegdenken müssten. Entsprechend könnte erreicht werden, dass Menschen in akuten psychiatrischen Krisen schnellere Hilfe bei einem therapeutisch tätigen Facharzt oder einem Psychotherapeuten erhielten, weil Betroffene mit weniger dringlichen Problemen übergangsweise an ein anderes Angebot (beispielsweise Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen oder Hausärzte) verwiesen werden könnten. Gleichsam ist auch an eine Verbesserung der überregionalen Zusammenarbeit der im psychischen Versorgungswesen Tätigen zu denken, ebenso wie an die unbedingte Einbeziehung von Psychotherapeuten in die geplanten Gesundheitszentren auf dem Land.
  • Es ist zwingend geboten, dass sich Psychotherapeuten und psychotherapeutisch tätige Ärzte für die Behandlung von Psychose-Erkrankten öffnen. Es muss bereits in der Ausbildung auf den therapeutischen Nutzen auch bei wahnhaft Erkrankten aufmerksam gemacht, die Angst vor deren Behandlung genommen und der Einsatz von Psychotherapie bei Psychosen im Studium trainiert werden.


Der Petent:


Dennis Riehle