29.08.2022

Winnetou: Geschichte muss erklärt, nicht aussortiert werden!

Kommentar
vom 24.08.2022

Eigentlich hatte ich gedacht, dass wir aus der „Verbieteritis“ der vergangenen Jahre gelernt haben. Doch die politische Korrektheit hat wieder zugeschlagen: Geschichte verändern wir nicht, indem wir sie aus unserem Gedächtnis zu streichen versuchen. Dies müsste gerade uns Deutschen angesichts der schrecklichen Vergangenheit des 20. Jahrhunderts bewusst sein. Kultur anpassen zu wollen, ähnelt dem Ansinnen, eine gesellschaftliche DNA mit Zwang zu retuschieren. Meinen wir ernsthaft, die Welt würde sich zum Besseren wandeln, wenn wir Bücher und Filme aus den Regalen nehmen, aus falsch verstandener Vorsicht, Scham und dem Knicks vor dem erhobenen Zeigefinger einer Moral der besserwisserischen Überheblichkeit? Ich frage mich: Wieso hat sich noch vor 20 Jahren niemand am Umstand gestoßen, dass Winnetou schon damals in einer schongefärbten Idylle der Bruderschaft bei gleichzeitigem Bedienen von Vorurteilen und lange überwunden geglaubter Vorstellungen über den nicht-weißen Mann in den Kinderzimmern der Nation bedenkenlos selbstverständlich vorgelesen wurde?

Wir wussten auch da schon über unsere festgefahrenen und formelhaften Bilder von fremden Völkern, mit denen wir Unrecht verbreiteten und aus Naivität und Unwissenheit Ressentiments unterstrichen, die verletzt haben und stigmatisierten. Doch statt sdem öffentlichen Druck der Minderheit nachzugeben und die Verbreitung von Schriften zu stoppen, hatten Eltern früher noch die Fähigkeit, ihren Kleinsten zu erklären, dass sich manch eine Erzählung aus der Historie nicht an der eigentlichen Wahrheit, sondern viel mehr an kolonialen und die Rassen trennenden Visionen orientierten, die – furchtbarerweise – vor 130 Jahren noch zur Normalität gehörten und über deren Schuldhaftigkeit sich die nur im Anschein befindliche Zivilisation des Westens, wie so oft, gerade nicht im Klaren war.

Dass man Texte aus vorvergangenen Zeiten im jeweiligen Kontext der einstigen Gegenwart verstehen muss, das macht uns bereits die notwendige Exegese der Bibel überaus deutlich – denn andernfalls hätten wir auch diese älteste Schrift schon lange aus dem Verkehr ziehen müssen. Immerhin sind Gewalt, Vertreibung und Unterdrückung kaum anderswo so dramatisch dokumentiert wie in den Überlieferungen des Alten und Neuen Testaments. Doch weil wir uns heute in der glücklichen Lage sehen, diese Zeilen im Kontext zu sehen, stößt sich Gott sei Dank bislang kaum jemand daran, sie den nächsten Generationen weiterzugeben. Nehmen wir also weder Theologen, noch Vater oder Mutter aus der Verantwortung, ihren Schäfchen Karl May oder die Psalmen zu interpretieren und damit das Gedächtnis an mehr oder weniger glaubhafte Realitäten des Vorgestern wachzuhalten. Während wir die Erinnerungskultur an den Nationalsozialismus zu Recht erhalten wollen und die Berichte über das Geschehene an die kommende Menschheit weitergeben möchten, verbannen wir Apachen aus dem Sortiment.

Wir agieren bei den Indianern wohl nach dem Motto: „Aus den Augen, aus dem Sinn!“. Warum machen wir uns nicht die Mühe, mit Büchern eine Mahnung aufrechtzuerhalten, als ein schlechtes Beispiel dafür, welches Denken und Handeln unserer Vorfahren Leid und Segregation über jene Völker gebracht haben, gegenüber denen wir uns überlegen sahen? Zeigen wir Kindern auf, dass der Tenor nach Versöhnung und Ebenbildlichkeit, die Winnetou eben auch vermittelt, ein erstrebenswertes Ziel ist – aber bisher viel zu wenig gelebt wurde! Der pädagogische Auftrag liegt bei uns allen. Weil wir uns heute aber vor lauter Furcht, schon wieder ins nächste Fettnäpfchen der Gutmenschlichkeit zu treten, nicht einmal mehr zu einer kontroversen Auseinandersetzung hinreißen lassen und Verlage ihre Bücher in Angst vor der Keule des Totschlagarguments lieber zurückziehen, scheinen wir auch nicht mehr fähig, die Weiterentwicklung der Kultur selbstbewusst und ohne Verleumdung des Zurückliegenden zu vertreten. Dass wir Konflikten aus dem Weg gehen, indem wir uns jedwedem Shitstorm beugen, ist ein Zeichen von fehlender Debattenbereitschaft. Das eigentliche Armutszeugnis bleibt also die Tatsache, dass wir uns nach dem Diktat der Wenigen richten.

Dennis Riehle - 04:32:56 @ Gesellschaft

Das repräsentative System bekommt wachsende Risse…

Leserkommentar

Krisen können für die Politik Niedergang oder Chance sein. So verhält es sich auch, wenn gleich drei Herausforderungen auf einmal vor der Tür stehen: Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg und Inflation mit Energieknappheit – selten zuvor waren die Regierenden in Deutschland derart intensiv gefragt. Und vertraut man den neuesten Umfragen, sind die momentan Handelnden in der Sicht vieler Bundesbürger nicht in der Lage, die Probleme sozial gerecht zu lösen. Und als einstmals glühender Anhänger der Repräsentativen Demokratie kann ich mich diesem Tenor nur anschließen: Es besteht über die Unterschicht hinausgehend das Gefühl, wonach die Bemühungen um Solidarität in diesem Land nachlassen, Parteien werden zunehmend zu reinen Klientelvertretern und Lobbyisten. Nicht nur die FDP schmiegt sich mit ihrem libertären Kurs an die Reichen an. Auch Wirtschaftsminister Habeck lässt zunehmend eine ungesunde Nähe zu den Unternehmen erkennen, die einem Sozialstaat nicht guttut. Und während sich Lindner mit seiner ständigen Blockadehaltung als Gegensprecher der „Fortschrittskoalition“ einen Namen macht, ist auch Bundesgesundheitsminister Lauterbach auf Abwegen: Einstiger Liebling der Mehrheit, jetzt widerspricht er sich nahezu täglich selbst und entfernt sich mit seinen isolierten Meinungen und Empfehlungen vom Lebensalltag vieler Menschen, die das Virus endlich demaskieren wollen.

Ohnehin: Wie authentisch sind die Politiker heute, die allzu oft die Verbindung zum Wähler verloren haben und sich als ferne Abgeordnete vor allem um Prestige-Projekte bemühen, statt auf die Sorgen und Nöte der Basis vor Ort einzugehen vermögen? Wenn man nicht im Schlamm wühlt, weiß man auch nicht, wie sich Alltag anfühlt – so ähnlich formulierte manch Sozialdemokrat schon in der Vergangenheit. Und er lag damit richtig: Entsandte des Souveräns, die sich im Reichstag verbarrikadieren und dort wenig selbstlos und abgeschnitten von der allzu oft stinkenden Realität des Daseins kaum irgendeine Möglichkeit für die Wahrnehmung echter Probleme haben, können nur bedingt Einsicht in den Geldbeutel des einfachen Menschen nehmen und sind darüber hinaus kaum sensibilisiert, das aktuelle Stimmungsbarometer richtig zu deuten. Viel eher sind die nächsten Urnengänge noch nicht in Sicht – weshalb sollte sich das Engagement für den Zusammenhalt für den Berufspolitiker der Herzlosigkeit lohnen?

Alle vier Jahre ein Kreuz zu setzen: Für viele Bürger ist das eindeutig zu wenig. Auch wenn Forschung und Wissenschaft eine eher generelle Politikverdrossenheit sehen und häufig erklären, dass selbst diese seltene Stimmabgabe für Manchen noch eine unzumutbare Herausforderung darstellt, lässt sich doch eine wachsende Unzufriedenheit mit dem bestehenden System erkennen. Ich selbst war lange skeptisch, ob man uns Normalos die Entscheidung großer Sachfragen anvertrauen kann. Gerade Populismus und extreme Sichtweisen haben mich zweifeln lassen, ob es Sinn machen würde, unserer Bevölkerung das Votum über komplexe politische Fragen zu überlassen. Immerhin würde das zumindest die verstärkte Informiertheit des mündigen Bürgers voraussetzen, was wiederum Zeit benötigt, die wir heute aber alle kaum noch haben. Deshalb war ich bislang stets davon überzeugt gewesen: Routinierte und durch kluge Mitarbeiter unterstützte Politiker in ihren Berliner Büros können besser mit dem Handling unseres Staates umgehen als das Volk in seiner Gesamtheit, das in Teilen doch wiederkehrend zu überschießenden Reaktionen tendiert und vor dessen weitergehender Einflussnahme es selbst geschützt werden muss. Doch diese Sicht habe ich hinter mir gelassen.

Immerhin war ich bislang der festen Auffassung, dass es ausreicht, einzelne partizipatorische Elemente einzubauen, um dafür sorgen zu können, dass sich der jeweilige Bürger Gehör verschaffen kann. Als Anhänger des Petitionswesens war für mich die Option der Eingabe ans Parlament ausreichend, um den Mandatsträgern die Perspektive aus der Peripherie zu übermitteln. Wenngleich die Aussicht auf Erfolg solcher Zusendungen schon immer gering war, nötigte man sich im Bundestag zumindest stets eine ausführliche Stellungnahme des zuständigen Ministeriums ab und ließ das Plenum über das Anliegen am Ende mit einer recht detaillierten Bewertung des Sachverhaltes abstimmen. Damit entstand zumindest das Gefühl, als habe man sich in Berlin mit dem Thema befasst und war wenigstens mit ihm in Berührung gekommen. Doch während die Vorsitzende des Petitionsausschusses erst kürzlich in ihrem Jahresbericht den dramatischen Rückgang an Eingaben vermeldete, ging der Bundestag von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen zu einer neuen Praxis über, vorgelegte Ansinnen der Bürger weitgehend ohne Begründung zurückzuweisen.

Wer will sich auch noch die Mühe machen, einen Vorschlag, eine Anregung, Bitte oder Beschwerde vorzutragen, wenn sich das Gegenüber für eine adäquate Antwort keine Zeit mehr nimmt? Ich stehe sicherlich stellvertretend für viele ernüchterte und gleichsam enttäuschte Menschen, die für die Demokratie brennen, aber den Eindruck gewinnen, als bekäme das repräsentative Verständnis durch Ignoranz und Abgehobenheit der politischen Elite zunehmend Risse. Als Moderator und Teilnehmer diverser Bürgerbeteiligungsverfahren in der Vergangenheit war ich bisher der Meinung, diese reichten aus, um die Stimme des Einzelnen in Diskussionen und Abstimmungsprozesse einzubringen. Doch reicht Mitgestaltung aus, um dem Anspruch an eine bürgernahe und niederschwellige Politik heute noch gerecht zu werden? Braucht es nicht eher Mitsprache und Mitentscheidungsbefugnis der Bevölkerung in wesentlichen Fragen, die unmittelbar die individuelle Existenz, aber auch die Sicherung unserer Gemeinschaft betreffen und deshalb nicht nur in die Hände von Volksvertretern gehören? Sie haben in der jüngeren Geschichte nicht wirklich beweisen können, dass sie die Geschicke des Landes alleine lenken können. Schlussendlich muss man fragen: Darf die Angst vor der Partizipation der Vielen und extremer Standpunkte der Wenigen wirklich dafür herhalten, Direktdemokratie abzuwürgen?

Dass Systeme gelingen können, in denen der Souverän deutlich mehr Kompetenzen besitzt, macht die nahegelegene Schweiz klar. Politische Debatte und Auseinandersetzung werden dort regelmäßig hart geführt. Doch sie haben dabei nicht zu Unfairness oder Übertretung von gesetzten Limiten geführt. Das gemeinsame Verständnis, die Grenzen des Rechtsstaates, gültiger Verträge und der Menschenrechte bei allen Volksabstimmungen nicht zu tangieren, lässt die Eidgenossenschaft in demokratisch verlässlichem Fahrwasser schwimmen und bietet mit unterschiedlichen und abgestuften Mechanismen der Ratifizierung von Entscheidungen hinreichende Puffer, um verfassungsfeindliche Auswüchse der Basisdemokratie einzufangen. Parlamentarier sind dort nicht obsolet geworden, allerdings unterliegen sie einer sehr viel größeren Weisungsgebundenheit durch den abstimmenden Bürger, was letztendlich parteiliche Interessen relativiert und Kalküle der Mandatsträger und Fraktionen in nötigem Maße durchkreuzt. Rechtfertigung und Erklärung des eigenen Handelns sind für Schweizer Abgeordnete an der Tagesordnung – und sie befördern die politische Kultur in angenehmer Weise. Die Zurückhaltung in Deutschland einem solchen System gegenüber wird oftmals mit der dunklen Historie unseres Landes begründet. Im Gegensatz zu manch autoritären Regimen hat die Direktdemokratie allerdings an vielen Orten bereits bewiesen, dass sie funktioniert – und Widerstand nur denen zusteht, die sich um ihren Eigennutz fürchten.

Dennis Riehle - 04:31:39 @ Politik

Psychosoziale Sprechstunde berät Arbeitnehmer und Arbeitslose

Pressenotiz

Welche Rechte hat mein Arbeitgeber, wenn ich längere Zeit oder wiederholt krank bin? Kann mich die Rentenversicherung zu einer Rehabilitationsmaßnahme oder zum Antrag auf Erwerbsminderungsrente zwingen, wenn ich meine Arbeitsleistung nicht mehr voll erbringe? Welche Mitspracherechte habe ich im Vorfeld einer Kündigung und wie muss ich mich in solch einem Fall gegenüber der Arbeitsagentur verhalten? Habe ich Anspruch auf Nachteilsausgleiche und einen barrierefreien Arbeitsplatz bei einer bestehenden oder im Verlauf des Beschäftigungsverhältnisses eintretenden Schwerbehinderung? Und wie bin ich denn eigentlich während der Elternzeit finanziell abgesichert? – Diese typischen Fragen aus dem Arbeits- und Sozialrecht befassen viele Arbeitnehmer täglich neu. Und oft nehmen Betroffene Einschränkungen durch den Arbeitgeber, fehlende Partizipation oder Bescheide von Behörden und Versicherung stillschweigend hin, weil sie sich gar nicht bewusst darüber sind, dass ihre Rechte beschnitten werden und Ansprüche bestehen, die vor Härten im Berufsalltag bewahren und Krisen abfedern können.

Dieser Überzeugung ist der Konstanzer Berater Dennis Riehle, der sich aktuell in Personalrecht fortgebildet hat und das Angebot seiner psychosozialen Sprechstunde nun entsprechend erweitern kann. Nachdem er bereits in Sozial-, Pflege-, Öffentlichem und Bürgerlichem Recht zertifiziert wurde, öffnet sich das Spektrum seiner Unterstützung jetzt auch um den breiten Bereich von personalrechtlichen Angelegenheiten: „Wir müssen heute nicht mehr alles hinnehmen, weil viele Gesetze den Arbeitenden  mittlerweile präventiv schützen und ihm eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Verfügung stellen, um eine Gleichbehandlung, Persönlichkeitsentwicklung und betriebliche Eingliederung im Beruf durchzusetzen und im Zweifel auch mit juristischen Mitteln geltend machen zu können“, so der 37-Jährige, der auch als Coach mit Schwerpunkt Stressbewältigung und Mobbing tätig ist.

Sein in Eigeninitiative gestartetes Projekt der ehrenamtlichen Mailberatung, die zwar keine Rechtsdienstleistung darstellt, allerdings eine erste Orientierung in sozialen Fragen sein kann, ist bundesweit aktiv und kann von jedem Ratsuchenden kostenlos in Anspruch genommen werden: „Häufig geht es um eine Darlegung grundsätzlicher Informationen zur Rechtslage, mentale Ermutigung oder die praktische Begleitung in einem Antrags- und Widerspruchsverfahren“, erklärt der Konstanzer und fügt an: „Nicht immer braucht es gleich eine anwaltliche Konsultation. Ohnehin sind viele Betroffene, die sich bei mir melden, sozial geschwächt und können die Kosten für umfangreiche Rechtsberatung nicht tragen. Dann kann die Auskunft unserer niederschwelligen Anlaufstelle ein Anfang sein, um sich zumindest Wissen und Kenntnisse anzueignen, wie es weitergehen kann und welche zusätzlichen Maßnahmen zu ergreifen sind. Ziel unserer Sprechstunde ist die Befähigung jedes Einzelnen zur eigenverantwortlichen und unterrichteten Persönlichkeit, die auch gegenüber dem Chef, Sozialversicherungsträgern und der kommunalen Verwaltung ihre Standpunkte und Positionen vertreten und gegebenenfalls Anrechte einholen kann“, sagt Riehle und schließt mit den Worten: „Wer sich alles gefallen lässt und Benachteiligungen in sich hineinfrisst, wird auf lange Sicht hin ausbrennen und hat die Chance verpasst, als mündiger Bürger die demokratischen Prinzipien des Rechtsstaats auszuschöpfen“.

Die Psychosoziale Sprechstunde ist über Mail: beratung@psychosoziale-sprechstunde.de für jeden kostenlos und überregional erreichbar.

Dennis Riehle - 04:30:42 @ Soziales

23.08.2022

ABiD fordert zügige Anhebung der Pflegeleistungen: „Politik hat Demografie verschlafen!“

Pressemitteilung

Der Allgemeine Behindertenverband in Deutschland e.V. (ABiD) fordert endlich eine Anpassung der Pflegeleistungen. Wie Sozialberater Dennis Riehle hierzu erklärt, wurden Pflegegeld und Pflegesachleistungen über einen unverhältnismäßig langen Zeitraum nicht erhöht und stagnieren bei einer wachsenden Kostenexplosion durch die Teuerung: „Pflegebedürftige müssen mit den Geldern der Pflegekasse ihre Versorgung sicherstellen, entweder durch einen nahen Angehörigen oder eine ehrenamtliche Bezugsperson einerseits, durch einen fachkundigen Pflege- oder Sozialdienst andererseits. In diesem Bereich hat aber auch die Inflation Einzug gehalten, doch die Politik lässt die Sätze für Pflegeleistungen nun schon über Jahre unverändert. Dies ist eine klare Missachtung des Engagements und des Aufwandes von betreuenden Familienmitgliedern, die für diese Aufgabe nicht selten ihre Arbeitszeit reduzieren mussten oder den Job gar vollständig aufgegeben haben und nun darauf angewiesen sind, durch die Weitergabe des Pflegegeldes entschädigt zu werden“.

Riehle verweist aber insbesondere auch auf die galoppierenden Eigenanteile in den Pflegeheimen und stationären Einrichtungen: „Immer mehr Anbieter erhöhen die Preise, während die Pflegesachleistungen nicht steigen. So müssen Pflegebedürftige immer mehr eigenes Vermögen oder Einkommen aufbringen, um die Heimkosten bezahlen zu können“, berichtet der Sozialberater aus den vielen Hilfsgesuchen, die den ABiD aktuell erreichen. „Heute ist es keine Seltenheit mehr, sondern nahezu Normalität, dass das Sozialamt einspringen muss, um Defizite auszugleichen. Denn selbst wenn Pflegebedürftige ihr Eigentum und sämtliche Einnahmen aus Rente oder das Zurückgelegte im Sparstrumpf zusammennehmen und es aufbringen, reicht dies meist nicht aus, die Finanzierungslücke zu schließen und den heute oftmals mehrere tausend Euro hohen Eigenanteil pro Monat aus der eigenen Tasche zu bezahlen“, sagt der 37-Jährige – und fügt an: „Besonders betroffen sind Menschen mit Behinderung, weil sie oftmals keine große Renten ansparen konnten und darüber hinaus so geringe Arbeitseinkünfte erzielt haben, dass für sie der häufig mit Scham behaftete Bußgang zur Sozialbehörde eine besondere Erniedrigung darstellt und insgesamt ein würdeloses Prozedere abgibt, der einem solidarischen Miteinander nicht gerecht wird“.

Laut Riehle müsse die Politik handeln und die Pflegeleistungen nach langer Pause erhöhen: „Es geht um mehrere hundert Euro, die monatlich dazukommen müssen, um zu entlasten. Zwar ist die gesetzliche Pflegeversicherung keine Vollkasko-Absicherung, dennoch scheint sie chronisch unterfinanziert und bis heute nicht derart reformiert zu sein, um der steigenden Zahl an erwartbaren Pflegebedürftigen standhalten zu können. Auch hier muss an die bereits vielmals diskutierte Bürgerversicherung herangegangen werden, die dann alle einschließt. Dem Sozialstaatsgedanken kann die derzeitige Praxis der zwei Klassen nicht entsprechen. Außerdem wird zu besprechen sein, sukzessive die steuerfinanzierten Umlagen in unsere Pflegekassen dynamisch zu erhöhen, denn der demografische Faktor lässt nichts Anderes zu. Und wie das Ganze bezahlt werden soll? Es braucht eine gemeinsame Kraftanstrengung, welche insbesondere die Reichen in diesem Land stärker in ihre Verantwortung nimmt“.

Dennis Riehle - 05:58:37 @ Politik

20.08.2022

Familienberater: Betreuung Demenzkranker bedarf Sensibilität und Geduld

Pressenotiz
Überforderung durch Schulungen und Entlastungsangebote frühzeitig vorbeugen!

Die Beratungsstelle „FamilienKnäuel“ sieht sich in Zeiten der weltweiten Krisen auch mit einer wachsenden Zahl an Anfragen pflegender Angehöriger konfrontiert, die die Betreuung ihrer Nächsten gerade unter dem Aspekt der ohnehin bestehenden Belastungen durch Teuerung, Pandemie mit Homeschooling und Home-Office, Energieknappheit oder inflationären Kosten oftmals nur noch schwer stemmen können. Wie der Leiter des ehrenamtlichen Angebots, Dennis Riehle, in einer aktuellen Aussendung mitteilt, seien gerade Kinder von demenzkranken Elternteilen mit der Pflege zunehmend überfordert und zeigten Anzeichen eines Ausgebranntseins und manifester Stressreaktionen: „Wenn in solch schwierigen Phasen der neuen Geschichte, welche uns allen viel abverlangen, plötzlich eine kognitive Störung bei Mutter oder Vater eintritt, wirft das den Alltag am Ende komplett durcheinander und die Orientierungslosigkeit der Töchter und Söhne steigt ins Unermessliche. Gerade, weil Kinder aus Gründen der Verantwortung ihre Eltern möglichst lange daheim pflegen möchten, stellen sie sich selbst nicht selten vor riesige Aufgaben und Ansprüche, die sie zumal dann nicht alleine leisten können, wenn sie mit dem hochkomplexen Bild einer Demenz bisher nicht vertraut waren und die aufkeimenden Wesensveränderungen, Gedächtnislücken, rückläufigen exekutiven Funktionen oder die mit dem Krankheitsbild einhergehenden psychischen Auffälligkeiten und die wachsende Unfähigkeit zur Alltagsplanung nicht richtig einordnen können“, erklärt der 37-jährige Seniorenberater, der in Gerontologie, Altenbetreuung und Rechtsfragen der Pflege zertifiziert ist und seit Jahren Betroffenen und ihren Angehörigen bei ihren Fragen per Mail zur Verfügung steht.

„Viele pflegende Familienangehörige haben allein das Bild der Alzheimer-Erkrankung vor Augen, wenn der Arzt die Diagnose einer Demenz gestellt hat. Dass es eine Vielzahl an Ausprägungen und unterschiedlichen Formen dementieller Syndrome gibt, die sehr verschieden verlaufen und individuell differenzierte Beeinträchtigungen mit sich bringen, ist ihnen oftmals unbekannt. Hier fehlt es eindeutig an Edukation und einer realistischen Klarstellung: Demenz ist zwar durch einen geistigen Leistungsabbau definiert und führt unweigerlich zu einem Nachlassen des Gedächtnisses. Verlauf und Prognose variieren aber ganz erheblich. Horrorszenarien sind deshalb kein guter Ratgeber, wenn man als nahestehende Person von einer solchen  Erkrankung in seinem eigenen Umfeld hört und sich vornimmt, den Betroffenen möglichst lange zuhause pflegen zu wollen. Stattdessen ist es von Beginn überaus ratsam, Selbsthilfeangebote und Schulungen in Anspruch zu nehmen, die von Pflegekassen, Volkshochschulen, Nachbarschaftshilfen, Sozialdiensten oder Gesundheitsämtern angeboten werden. Auch gibt es vielerorts Angehörigengruppen, in denen man Erfahrungen austauschen kann. Und nicht zuletzt haben pflegende Angehörige Ansprüche auf Entlastungen im Alltag und bei Verhinderung. Ob das nun die stundenweise Betreuung durch ein Demenz-Café, eine Kurzzeitpflege oder das Inanspruchnehmen von Pflegekursen ist – Angehörige sollten solche Hilfen selbstbewusst nutzen, um sich vor Überforderung und Burnout zu schützen. Letztlich bringt es niemandem etwas, wenn man sich selbst bei der Pflege aufgibt. Eigenfürsorge, Geduld und Sensibilität können erlernt werden – ebenso die Grenzziehung, wenn man letztendlich erkennt, wonach es zu Hause mit ambulanter Pflege trotz Unterstützung durch einen niederschwelligen Dienst einfach nicht mehr geht. Niemand muss sich für die Entscheidung schämen oder entschuldigen, Pflegebedürftige irgendwann ins Heim zu geben“.

Die Beratungsstelle „FamilienKnäuel“ ist bundesweit kostenlos für alle per Mail erreichbar: info@familienknaeuel.de.

Dennis Riehle - 06:37:28 @ Soziales

Psychosoziale Sprechstunde: Im Mai, Juni und Juli 130 Prozent mehr Hilfsanfragen

Pressenotiz
„Die Ampel-Politiker machen sich aktuell eines historischen Versäumnisses schuldig“

Die Psychosoziale Sprechstunde Konstanz, das bundesweit ehrenamtliche Angebot zur psychologischen, sozialen, familiären und integrativen Beratung, hat in den Monaten Mai, Juni und Juli 2022 um 130 Prozent mehr Hilfsanfragen erhalten als in den drei Monaten zuvor. Dies erklärte der Leiter dieser freiwilligen Dienstleistung, Dennis Riehle, in einer aktuellen Stellungnahme. „Wir haben insbesondere im Blick auf Unterstützung bei der Beantragung von Grundsicherungsleistungen nach Hartz IV und Sozialhilfe bei Erwerbsminderung, im Alter und in besonderen Lebenslagen besonderen Bedarf der Menschen in einer durch Teuerung und Knappheit geprägten Zeit des Krieges. Auch die Frage nach Wohngeld und Hilfen für die hohen Energiepreise stehen bei der Beratung ganz im Vordergrund. Dabei lesen wir von teils dramatischen Szenen: Menschen rationieren ihr tägliches Essen und duschen nur noch mit kaltem Wasser. Kinder können nicht mehr an Ausflügen teilnehmen, weil den Familien das Geld dazu fehlt. Und selbst in der Mittelschicht werden Urlaube abgesagt, das Autofahren eingeschränkt und Ventilatoren abgeschaltet. Wir erhalten Unmengen an Zuschriften von Personen in allen Altersschichten und verschiedenen sozialen Klientels, die Rechnungen nicht mehr begleichen können, erstmals im Leben Schulden machen müssen und teilweise nicht mehr in der Lage sind, ein soziokulturelles Existenzminimum für sich und die Angehörigen sicherstellen zu können – obwohl nicht selten sogar beide Elternteile arbeiten gehen und an allen Orten Verzicht geübt wird“, untermauert Riehle seine Erfahrungen in der Beratung der letzten Tage.

„Man merkt zudem eine wachsende Resignation und einen Unmut gegenüber der Politik. Die Anstrengungen der Ampel-Koalition werden von vielen Bürgern als vollkommen unzureichend und ungerecht angesehen. Zweifelsohne wachsen die Vorzeichen für eine gesellschaftliche Spaltung gerade sehr und die Gefahr für eine wachsende Polarisierung an den Rändern steigt an. Insofern ist die Untätigkeit angesichts der außergewöhnlichen Situation, welche gerade die FDP durch ihre Blockadehaltung gegenüber mehr sozialen Ausgleichs einnimmt, für viele Bevölkerungsteile nicht mehr verständlich. Schuldnerberatungen haben immensen Zulauf – und auch bei unserer Sprechstunde spielen sich beschämende Szenen ab“, kommentiert Riehle hierzu. „Wenn Personen bei den Tafeln abgewiesen werden, weil nicht mehr genügend Nahrungsmittel zur Verteilung stehen und die Rente nicht ausreicht, drei Mahlzeiten am Tag zu garantieren, dann komme ich mir vor wie in einer Bananenrepublik – und nicht wie in einem der reichsten Industrieländer“, sagt der 37-Jährige, der auch beobachtet, dass die Knappheit Menschen an ihre psychischen Belastungsgrenzen bringt: „Zukunftsängste und Stress sind momentan die häufigsten Seelenprobleme, mit denen sich Bürger bei mir melden. Und das ist ganz verständlich, wenn man ihre Not objektiv ansieht“.

Die Hilfestellung der Psychosozialen Sprechstunde liegt einerseits in ganz praktischen Empfehlungen für die Inanspruchnahme weiterer Sozialleistungen und Unterstützungen durch die öffentliche Hand: „Hier vermitteln wir an die passenden Stellen, helfen bei Antragsstellung und etwaigem Widerspruch, gleichsam aber auch bei der Suche nach einem zuständigen Ansprechpartner bei Schulden und drohender Wohnungslosigkeit oder Energieabschaltung. Ebenfalls bieten wir eine Übersicht über Anrechte, die Menschen bei Bedürftigkeit haben. Der Verweis an Selbsthilfegruppen gehört ebenso dazu wie die durchtragende Seelsorge und stützende Ermutigung. Wir geben Alltagstipps zum Sparen und versuchen, für den Einzelnen ein Konzept zur eigenen Existenzsicherung zu erarbeiten. Schlussendlich kann man bei uns einfach auch nur die Sorgen niederschreiben, das hilft oft schon ein Stück weiter“. Riehle sieht erheblichen Handlungsbedarf bei der Politik, die sich nach Meinung des Sozialberaters derzeit eher um das Überleben der Unternehmen anstatt der Bürger kümmert: „Sicherlich kann der Staat nicht alles auffangen. Aber er hat die Pflicht, Umverteilung zu betreiben, Gerechtigkeit zu üben und diejenigen in Verantwortung zu nehmen, die aus der Krise überproportional profitieren. Derzeit macht sich die Politik zum Anwalt der Reichen“, echauffiert sich Riehle und schließt mit den Worten: „Wer in einer der prekärsten Stunden unserer Geschichte die Schuldenbremse einhalten und dafür viele Menschen frierend, hungernd und obdachlos zurücklassen will, bricht seinen Eid und macht sich eines historischen Versäumnisses schuldig“.

Die Psychosoziale Sprechstunde ist bundesweit kostenlos für jeden per Mail erreichbar: beratung@psychosoziale-sprechstunde.de.

Dennis Riehle - 06:36:38 @ Soziales

17.08.2022

Kostenlose Beratung zu Prävention, Resilienz und Umgangsmöglichkeiten mit einem Burnout

Pressenotiz

Die Psychosoziale Beratungsstelle in Konstanz bietet künftig ein erweitertes Unterstützungsangebot. Nachdem sich der Leiter des ehrenamtlichen Beratungsangebotes, Dennis Riehle, aktuell als Burnout-Berater qualifiziert hat, richtet sich die Hilfestellung fortan auch an Betroffene des oftmals als „Lifestyle-Phänomen“ verkannten Problembildes, das nach Auffassung Riehles als eine charakteristisch in Phasen auftretende Gesundheitsstörung noch immer nicht ernstgenommen wird: „Viele Menschen denken, dass das nur eine Erscheinung bei überarbeiteten Managern sei. Dabei handelt es sich um ein psychosomatisches Leiden, welches sich aus einem fortwährenden Belastungszustand heraus entwickelt und im Endeffekt zu einem emotionalen, sozialen, mentalen und persönlichen Zusammenbruch führen kann. Zwar ist es nicht mit einer Depression zu verwechseln, weil sich das Ausgebranntsein zumeist auf klar definierbare Lebensbereiche beschränkt und keine psychiatrisch pathologischen Erkennungsmuster aufweist“, so Riehle. Dennoch sei es nicht zu unterschätzen und nehme gerade in der aktuellen Zeit zu.

„Burnout entsteht aus einer Überforderung, die aber nicht zwingend von beruflicher Natur sein muss. Sie kann viel eher auch familiäre Ausgangspunkte wie Konflikte oder Scheidung, psychosoziale Ursachen wie Armut, Existenzsorgen oder Krankheit beziehungsweise persönliche Schicksalsschläge wie Arbeitslosigkeit, Trauer oder Flucht als Startpunkt aufweisen. Auch bei pflegenden und betreuenden Angehörigen und ehrenamtlich Tätigen beobachten wir eine zunehmende Burnout-Gefahr. Gemeinsam ist all diesen Zäsuren und traumatischen Erlebnissen die Überlastung und die fehlende Anpassungsfähigkeit. Letztlich handelt es sich beim Störungsbild um ein Ungleichgewicht zwischen Anforderung und Ressourcen, mit denen eine Ist-Situation bewältigt werden kann“, führt Riehle aus, der sich in seiner Weiterbildung insbesondere mit der Symptomatik, Prävention und Unterstützungsmöglichkeiten für Burnout-Betroffene auseinandergesetzt hat: „Klassisch erkennbar wird das Ausgebranntsein an einer Erschöpfung, die wiederum viele Gesichter haben kann. Am Schluss ist sie in Dauer, Intensität und Ätiologie aber sehr eindeutig von anderen Beschwerdekomplexen und psychischen Erkrankungen wie einer manifesten Angstproblematik, affektiven Krankheitsbildern oder einer Belastungs- und Anpassungsstörung unterscheid- und identifizierbar“.

Im Vergleich zu diesen Erkrankungen sei das Burnout laut Riehle auch isoliert niederschwelligen Hilfsangeboten zugänglich: „Psychotherapie ist nicht unbedingt nötig, wenn sich das Ausgebranntsein unzweifelhaft bestätigen lässt und im Verlauf keine komorbiden Krankheitsmuster einer systemischen Störung aus dem psychiatrischen Bereich auftauchen. Bleiben die Symptome insofern auf die typischen Burnout-Kennzeichen beschränkt, genügend oftmals eine multimodale Herangehensweise aus Resilienztraining, psychosozialer Beratung, Ernährungsumstellung, Aktivierung und Entspannung. Ein wesentliches Element des Coachings sollte dabei das Neuformulieren von Glaubenssätzen sein, die nicht selten als psychodynamische Wurzel für das Ausgebranntsein und dessen Fortbestehen verantwortlich sind“, erläutert Riehle. Angst- und Stressbewältigung können ebenso wie Schlafhygiene und Lichttherapie begleitende Maßnahmen darstellen. Daneben sei der Baustein der Selbsthilfe wichtig: „Erfahrungsaustausch in Gruppen befähigt dazu, individuelle Bewältigungsmechanismen zu erarbeiten und sich gleichzeitig von Eigenvorwürfen und unerreichbaren Leistungsanforderungen zu befreien“, sagt der 37-jährige Berater mit eigener Burnout-Biografie – und fügt abschließend an: „Das Burnout ist ein Einschnitt im Leben, aus dem man allerdings im besten Fall mit Widerstandskraft und der Erkenntnis, Krisen selbstständig und selbstverantwortlich meistern zu können, hervorgehen kann“.

Die Selbsthilfeinitiative ist bundesweit ehrenamtlich aktiv und kann von jedem kostenlos per Mail genutzt werden: info@selbsthilfe-riehle.de.

Dennis Riehle - 05:19:38 @ Selbsthilfe

Unter 40, männlich und politisch inkorrekt

Kommentar
Weshalb die Vergabe von Bundesverdienstkreuzen immer öfter scheitert…

Verdienstorden der Bundesrepublik sind Auszeichnungen höchsten Rangs, mit denen die außergewöhnlichen und herausragenden Leistungen der Bürger in Beruf oder Ehrenamt gewürdigt werden sollen. Doch die Zahl der vergebenen Bundesverdienstkreuze ist seit längerem stark gesunken1. Es war nicht zuletzt Bundespräsident Gauck, der die inflationäre Verleihung von Anerkennungen zurückgefahren hat. Nicht nur weiblicher sollten die Empfänger der Orden werden, gleichsam reichte es nicht mehr aus, sich über einen größeren Zeitraum hinweg selbstlos und im Gemeinwohl für eine gute Sache engagiert zu haben. Es mussten schon besondere und überdurchschnittliche Verdienste sein, die es zuließen, sich entsprechende Medaillen und Abzeichen anzuheften.

Dass dabei aber immer öfter Willkür und Intransparenz herrschten, wenn es um die Auswahl der Träger der Verdienstorden ging, machte nicht erst stutzig, nachdem sich offenbar Bundestagsabgeordnete nicht ganz uneigennützig einbrachten und eine wohl interne Verordnung den mühsamen Weg des Anerkennungsverfahrens zu umgehen versuchte2. Die reflektierte und kritische Suche nach den passenden Trägern der Verdienstzeichen wich einer wenig durchsichtigen und mit dem ständigen Verweis auf die Vertraulichkeit von Ordensverfahren kaum nachvollziehbaren Selektion der Empfänger von bundesrepublikanischen Orden.

Ich selbst hatte deshalb eine Petition an den Deutschen Bundestag gerichtet, um damit letztlich stellvertretend zu erreichen, wonach Voraussetzungen für den Erhalt von Auszeichnungen und Würdigungen des Bundespräsidenten, aber auch die Verleihung von Verdienstmedaillen und Ehrennadeln der Bundesländer, offen und verständlich kommuniziert, aus der Mitte des letzten Jahrhunderts bestehende Verordnungen auf ihre Aktualität überprüft und neue Ebenen der staatlichen Würdigung von langjährigem Engagement der Bürger eingeführt werden, um Akzeptanz, Wert und Anerkennung des Ehrenamts zu steigern.

Einen echten Handlungsbedarf sahen weder der Bundestag, noch der Landtag von Baden-Württemberg, das Bundespräsidialamt oder das Staatsministerium vor Ort. Viel eher verwies man auf die bestehenden Strukturen, wonach die Senatskanzleien in den Ländern Anregungen aus der Bevölkerung entgegennehmen und prüfen, ob genannte Persönlichkeiten dem Ministerpräsidenten zum Vorschlag beim Bundespräsident empfohlen werden sollen. Monatelange Ermittlungen werden eingeholt, über den Leumund, die Verdienste und das Ansehen einer Person – immer öfter nutzen dafür die Ministerien auch den Abruf von Daten bei Behörden oder im Internet und bedienen sich Stellungnahmen von Vereinen und Institutionen. All das geschieht hinter verschlossener Tür.

Der Mitbürger, der einen Anderen für die Verleihung einer offiziellen Würdigung vorschlägt, erhält sodann Mitteilung darüber, inwieweit seinem Gesuch entsprochen werden kann. Und immer häufiger ist dies nicht der Fall. Ich selbst weiß um den Umstand, von einem Dritten für die Auszeichnung angeregt worden zu sein – letztlich erfüllte aber auch ich nach 24 Jahren bürgerschaftlich-sozialem Tun für die Gesellschaft die Anforderungen nicht. Welche Gründe letztlich für die Zurückweisung sorgten, blieb allerdings offen und im Verweis auf Datenschutz damit auch nicht überprüfbar. Wahrscheinlich dürfte ich – wie andere Normalbürger und sogar Prominente in der Vergangenheit – die falschen Merkmale aufweisen: Ich bin unter 40 Jahren – da kann man zynischerweise wohl noch nicht von einer „Lebensleistung“ sprechen. Ich bin männlich – und in den letzten Dekaden erhielten nach Sicht der Bundespräsidenten zu viele Männer das Verdienstkreuz, welches nun vornehmlich Frauen bekommen dürften. Und abseits des Geschlechts könnte auch die politische Inkorrektheit ein Grund gewesen sein – denn nicht zum ersten Mal wurde Personen eine staatliche Würdigung verweigert, die sich mit den staatlichen Institutionen und der Politik allzu hinterfragend auseinandersetzten3.

Was bleibt nach dieser Analyse? Die Bundesrepublik sucht sich die Träger ihrer Orden sehr genau aus, macht daraus aber immer mehr ein Geheimnis. Für eine Demokratie sind Hinterzimmer-Entscheidungen stets eine gefährliche Sache. Und sie werden dem umfangreichen Engagement, das die Deutschen leisten, auch nicht gerecht. Erst kürzlich schlug Innenministerin Faeser von der SPD nun vor, besonders lange im Ehrenamt Tätige mit einem Jahr Zusatzrente zu belohnen. Wenn das Land es aber nicht einmal auf die Reihe bringt, eine ideelle Anerkennung für die Millionen Freiwilligen fair auszugestalten und am Ende aus einer Medaille einen Staatsakt macht, braucht auch niemand eine frühere Pension. Kommunen und Länder hätten genügend Möglichkeiten, Zeichen der Wertschätzung zu verleihen – und das durchaus großzügig. Denn ein Orden wird eben nicht dadurch weniger wertvoll, dass man ihn mit vielen Weiteren gemeinsam trägt: Ganz im Gegenteil: Der verbindende und identitätsstiftende Charakter einer Auszeichnung verbindet die Ehrenamtlichen und macht sie zu einer sinnstiftenden Gemeinschaft, die in Zeiten der Krisen von bürgerschaftlichem Engagement und entgeltfreiem Einsatz für die Solidarität durchaus einen neuen Schub gebrauchen könnten.

Verweise und Quellen:

1 https://www.tagesspiegel.de/politik/auszeichnungen-zu-wenig-frauen-falsche-verdienste-warum-der-bundespraesident-immer-weniger-orden-verleiht/14879848.html

2 https://www.welt.de/politik/deutschland/article11516180/Abgeordnete-bedienen-sich-bei-Verdienstkreuzen-selbst.html

3 https://www.rbb24.de/studiofrankfurt/politik/2021/10/bundesverdienstkreuz-tobias-morgenstern-steinmeier-querdenker-theater.htmlml

Dennis Riehle - 05:18:16 @ Ehrenamt

16.08.2022

Ehrenamtliche brauchen ideelle Wertschätzung und Arbeitsschutz, keine Rentenpunkte!

Leserkommentar
zu „Nancy Faeser regt früheren Renteneintritt für Ehrenamtler an“, „ZEIT“ vom 11.08.2022

Aus der „Ampel“-Koalition ist aktuell der Vorschlag aufgekommen, langjährig tätige Ehrenamtliche mit einem früheren Renteneintrittsalter um ein Jahr zu belohnen. Union und Linke haben die Anregungen bereits zurückgewiesen. Und auch aus der Engagement-Szene gibt es unterschiedliche Reaktionen auf diese Art der Würdigung, zumal der Gedanke in sich unausgegoren ist. So soll er vor allem Aktive im Rettungsdienst und bei der Feuerwehr umfassen, die dort unentgeltlichen Dienst leisten. Doch fragt man sich gleich: Was ist mit all den anderen Millionen, die in Kirchen, Sozialeinrichtungen, Vereinen, Kultur, Selbsthilfe, Politik oder eigeninitiativ wirken? Wann ist jemand „lang genug“ ehrenamtlich im Einsatz gewesen, um in den Genuss einer vorzeitigen Pension zu kommen? Und wollen die Engagierten das überhaupt?

Der Vorstoß setzt falsche Anreize: Ehrenamtliche benötigen keine Lockangebote, um sich in die Gesellschaft einzubringen. Wer sich am Ende nur aufgrund der etwaigen Perspektive auf ein früheres Ausscheiden aus dem Job für eine gemeinnützige Arbeit entscheidet, bringt eine unglaubwürdige Motivation in sein Ehrenamt mit sich. Stattdessen soll das Engagement uneigennützig sein. Zwar mangelt es immer öfter an verlässlichen und sich über einen planbaren Zeitraum einbringenden Freiwilligen. Doch dem Namen nach soll ein derartiges Tun allein der „Ehre“ wegen vollbracht werden, nicht aber im Blick auf mögliche Besserstellungen. Denn aus meiner eigenen, mittlerweile 24 Jahre andauernden Arbeit als Ehrenamtlicher in unterschiedlichen Funktionen weiß ich: Bürgerschaftlich Engagierte sind in aller Regel sehr bescheiden.

Wer dagegen aber mit dem Angebot der vorzeitigen Berentung für ein Einbringen in die Zivilgemeinschaft überzeugt werden muss, handelt eben gerade nicht selbstlos. Ehrenamt bedeutet Idealismus und nicht Berechnung. Schon die Monetarisierung des Bürgerengagements ist mit Zweifeln zu genießen. Aufwandsentschädigungen sind zweifelsohne eine angebrachte und notwendige Maßnahme, um Ehrenamtliche nicht auch noch finanzielle Beiträge für ihre Arbeit aus eigener Tasche zahlen zu lassen. Wer jedoch erreichen will, dass freiwilliger Einsatz für das Gemeinwohl wieder attraktiver wird, sollte nicht mit materiellen Vorteilen werben, sondern damit beginnen, die Bedingungen für ein ehrenamtliches Wirken zu verbessern. Dazu gehören eine einfache Vereinbarkeit mit dem Beruf und die großzügige Absetzbarkeit von Kosten, die im Rahmen des Engagements anfallen. Auch die dynamische Anpassung der steuerbefreiten Pauschalen und die bürokratische Entlastung von Vereinen sind wichtig.

Wer jetzt den Versuch unternimmt, ehrenamtliches Tun mit einem Jahr Zusatzrente zu vergelten, agiert nach meinem Dafürhalten nicht mit dem Aspekt Dankbarkeit. Viel eher scheint dahinter das Ansinnen zu stecken, neue Engagierte zu gewinnen, um unbesetzte Hauptamts-Stellen auszugleichen, die durch den Bedarf an vielerlei Fachkräften entstehen werden. Aber Ehrenamt ist gerade kein Lückenfüller für hoheitliche Verantwortung. Bürgerschaftlich Engagierte sollen bezahlte Arbeitskräfte ergänzen und mit ihnen im Team zusammenarbeiten, sie aber nicht ersetzen. Seit vielen Jahren zieht sich der Sozialstaat aus grundgesetzlich ihm übertragenen und verfassungsrechtlich der öffentlichen Hand zugeschriebenen Tätigkeiten zurück, um Kosten zu sparen. Immer öfter übernehmen Freiwillige Aufgabenprofile eines Vollzeitbeschäftigten und werden damit nicht selten überfordert. Burnout im Ehrenamt ist keine Seltenheit mehr – und das Ausgebranntsein ist kaum überraschend.

Denn Menschen, die sich ohne Entlohnung für Andere einsetzen, tun dies meistens in einer großen Aufopferung und Selbstaufgabe. Sie sind häufig nicht in der Lage, eigene Grenzen einzuhalten und wollen Weltverbesserer im Kleinen sein. Statt dem Trend entgegenzuwirken, haben nun Teile der Politik offenbar nichts Anderes vor, als diese Entwicklung noch zu beschleunigen. Dabei hat sie einen Protektionsauftrag für alle, die ehrenamtlich tätig sind. Ein früherer Ruhestand ist kein gutes Mittel, entsprechende Kompensation zu betreiben. Viel eher bedarf es klarer Arbeitsschutzregeln und Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Gefahrenabwehr auch für ehrenamtlich tätige Menschen, die einen Anspruch auf einen sorgsamen Umgang mit ihren Ressourcen haben. Die zuletzt immer seltener gewordene und oft nur auf in Organisationen und Institutionen engagierte Freiwillige beschränkte Anerkennungskultur und ideelle wie symbolische Wertschätzung müssen wieder gestärkt werden.

Ehrenamtliche leben von der Sinnhaftigkeit ihres Tuns – und vom Respekt und der Würdigung. Daher ist zu überlegen, die Verleihung von Bundesverdienstkreuzen oder Landesehrennadeln niederschwelliger zu gestalten und darüber hinaus weitere Ebenen der offiziellen Auszeichnung einzuführen. Zwar sind schon manch Landräte oder Bürgermeister dabei sehr erfinderisch. Doch eine strukturierte, vergleichbare und für alle Ehrenamtlichen zugängliche Dokumentation über ihre geleisteten Erfolge ist noch immer nicht umgesetzt worden. Manchmal reichen ein Anstecker, eine Münze oder eine Urkunde aus, um dieses Lob auszudrücken. Nicht wenigen Gemeinden und Kommunen sind Zeremonien der Verleihung aber zu aufwendig und kostspielig. Würde man das Geld, welches die Regierung für ein Jahr mehr Rentenzeit ausgäbe, den zuständigen Stellen aushändigen, um ab und an Ehrenamtliche hochleben zu lassen, wäre dies aus meiner festen Überzeugung am Ende deutlich besser angelegt.

Dennis Riehle - 06:12:52 @ Ehrenamt

11.08.2022

Selbsthilfeinitiative: Quartalsweise Immunisierungen fördern Impfmüdigkeit und Impfskepsis

Pressenotiz
„Wenn wir so weitermachen, nutzen sich die Vakzine ab und der Organismus tritt in den Streik!“

Die Selbsthilfeinitiative Impfkomplikationen zeigt sich irritiert über die Pläne der „Ampel“-Koalition zu den Corona-Regeln ab Herbst. Wie der Leiter des ehrenamtlichen Angebots in Konstanz, das als bundesweiter Ansprechpartner für Menschen mit Impfschäden fungiert, in einer Stellungnahme bekanntgibt, fördern die Absichten von Bundesgesundheitsminister Lauterbach und Bundesjustizminister Buschmann die Impfmüdigkeit und erweisen Impfverweigerern einen Bärendienst. Dennis Riehle sagt: „Wer für eine Befreiung von der Maskenpflicht als ‚frisch geimpft‘ gelten möchte, wird sich auf quartalsweise Immunisierungen einlassen müssen. Keine vernünftige Stimme aus Medizin oder Wissenschaft befürwortet solch einen engen Zyklus an Impfungen. Wenn wir dabei bedenken, dass sich Menschen auch gegen Affenpocken, Tetanus, Grippe, FSME und Gürtelrose immunisieren lassen sollen, kommen wir auf nahezu zehn Impfungen pro Jahr. Allein der Verstand muss hier entgegnen, dass derart vielfältige und häufige Eingriffe in den Körper nicht sinnvoll sein dürften und den Organismus damit kräftig durcheinanderbringen können. Solche Empfehlungen sind abwegig, gefährlich und verantwortungslos. Keine Studie gibt es her, dass wir uns derart engmaschig immunisieren. Wir begeben uns bereits mit den momentanen Boosterungen auf ein völlig neues Terrain und können die Nebenwirkungen kaum abschätzen. Wer sich jetzt für einen Drei-Monats-Rhythmus ausspricht, begeht letztendlich Kamikaze“.

Riehle, der nach seinen Corona-Immunisierungen medizinisch attestiert unter dem Post-Vac-Syndrom leidet und sich am Ende für eine differenzierte und auf den Einzelfall zugeschnittene Impfentscheidung ausspricht, wirft den Ministern fehlende Seriosität und unvertretbare Impfsucht nach. „Da hat es nichts mit radikaler Impfskepsis zu tun, wenn uns irgendwann die gesunde Eingebung in die Kandare fährt und Zweifel an der Errungenschaft des Immunisierens anmeldet. Denn man kann dieses adäquate Mittel zur Bekämpfung einer Pandemie auch missbrauchen, überstrapazieren und zweckentfremden. Bereits der inflationäre Gebrauch des Antibiotikums hat uns gelehrt, dass bei übermäßigem und unnötigem Gebrauch die Wirksamkeit nachlässt. Entweder wird also der Nutzen des Immunisierens schon bald erheblich nachlassen – oder die Zahl der anhaltenden Nebenwirkungen steigt derart stark an, dass wir ein weiteres und gleichsam vermeidbares Gesundheitsproblem bekommen. Umsichtigkeit und Verhältnismäßigkeit sind das Gebot der Stunde – das ist kein Wettbewerb, wer am Ende die meisten Pikse vorweisen kann“.

Dennis Riehle - 06:08:15 @ Selbsthilfe

Wenn Straffällige hungern müssen, krankt die Gesellschaft…

Stellungnahme des Sprechers des Philosophischen Laienarbeitskreises, Dennis Riehle, angesichts der Teuerung und den Zuständen in deutschen Gefängnissen:

In Zeiten der Inflation werden für uns alle die Lebenshaltungskosten teurer. Und da verwundert es kaum, dass auch die Beschaffung von Lebensmitteln für Menschen in Gefängnissen nicht günstiger wird. Ganz im Gegenteil: Während beispielsweise Patienten in Krankenhäusern Verpflegung für rund acht Euro pro Tag bekommen, sind es für Straffällige gerade einmal gut drei Euro. Wir wissen aus unserem eigenen Alltag: Mit solchen Summen ist keine vollwertige Ernährung auf einem würdigen Existenzniveau möglich. Stattdessen heißt es für Häftlinge immer öfter: Sie müssen von Mahlzeiten zehren, deren Kalorienzahl weit unter dem liegt, was für einen erwachsenen Menschen als notwendig betrachtet wird, um die Gesundheit nicht zu gefährden. Der Satz von „Wasser und Brot“ gewinnt damit eine neue, gleichsam realistische Dimension. Und da Personen hinter „Schwedischen Gardinen“ oft keine Stimme und kaum Lobby in der Gesellschaft haben, leiden sie still vor sich hin.

Solche Zustände sind in einem demokratischen Rechtsstaat des 21. Jahrhunderts nicht hinzunehmen und widersprechen elementaren Grundrechten eines reichen westlichen Industrielandes, das durch Aufklärung und Ethik gelernt haben sollte: Menschen, die straffällig geworden sind, haben ein Recht auf Resozialisierung und Rückkehr in die Zivilisation. Sie sind nicht Bittsteller für die grundständige Versorgung, sondern besitzen einen Anspruch auf eine ordnungsgemäße Behandlung. Wenngleich noch immer die Devise gilt: „Aus den Augen, aus dem Sinn“, können wir den Blick vor den Zuständen in deutschen Haftanstalten eben nicht verschließen. Bis heute entsprechen die Gegebenheiten nicht den Anforderungen internationaler Konventionen, das beginnt schon allein am Lohn für die zwangsweise Arbeit, welcher die Haftgefangenen nachgehen müssen: Während sich Arbeitgeber in Deutschland über 12 Euro Mindestlohn echauffieren, schuften die Straffälligen in den Justizvollzugsanstalten für eine mickrige Entschädigung von nur wenig über zwei Euro. Wie unter den Vorzeichen ein angemessenes Dasein gelingt, bleibt fraglich.

Über Jahre und Jahrzehnte wurden die Verpflegung und Versorgung im deutschen Strafvollzug nicht an humane Maßstäbe angepasst. Viel eher werden die Häftlinge regelmäßig vergessen, wenn es um Erhöhung von Bezugsgrößen geht. Es verwundert daher kaum, dass sich in vielen Fällen weder Reue noch Einsicht einstellen. Schlussendlich ist ein Staat, der stiefmütterlich mit seinen Gefangenen umgeht, kein vertrauenswürdiger Partner, um Wiedereingliederung in die Gesellschaft ermutigend und reizvoll zu gestalten. Haftbedingungen hängen unmittelbar mit der Bereitschaft zu Versöhnung und Veränderung des Verurteilten zusammen. Niemand erwartet einen Fünf-Sterne-Vollzug. Es geht allein um würdevolle Behandlung von Menschen, die sich durch schwere Fehlverhalten schuldig gemacht, gleichzeitig aber eine Chance der Gemeinschaft auf einen Neustart verdient haben. Das hat nichts mit übermäßiger Gnade, Nachsicht oder Laissez-faire zu tun.

Viel eher zeigt sich am Zustand der Gefängnisse und ihrer Insassen die Seelenbeschaffenheit eines ganzen Landes. Wer diejenigen vernachlässigt, die im Namen des Volkes ihrer Freiheit entzogen wurden, hat diesen gegenüber ein ganz besonderes Verantwortungsbewusstsein. Hungernde Haftinsassen sind ein Gratmesser und Ausdruck von sozialer Verrohung einer gesamten Nation, an vorderster Stelle der Politik, die eine Fürsorgepflicht gegenüber Strafgefangenen besitzt und ihr derzeit nicht gerecht zu werden scheint. Ja, Häftlinge haben ein bedingungsloses Recht auf eine Minimalversorgung, die nicht mit Tagessätzen gewährleistet werden kann, mit der heutzutage nicht einmal ein Frühstück finanzierbar ist. Selig sind gerade nicht diejenigen, die sich mit ihrer Tadellosigkeit und weißer Weste brüsten und über jene zu erheben vermögen, die zweifelsohne schwere Last auf sich geladen haben. Man möchte nicht allzu biblisch werden, um aber festzustellen, dass es Straffällige gewesen sind, denen aus Demut die Füße gewaschen wurden. Der Maßstab, an dem wir uns orientieren müssen, ist der Umgang mit denen, die wir wegsperren.

Sühne und Verständigung sind Treiber einer gelungenen Integration von Verurteilten, die ins Leben zurückgeführt werden sollen. Ihr Antrieb für eine schuldlose Zukunft wird vor allem aus der Erinnerung gespeist, wie die Öffentlichkeit und die Justiz mit ihnen in Haft verfahren sind. Nur, wer dort den Sinn für Gerechtigkeit verspürt und eine respektvolle Behandlung wahrgenommen hat, wird sich ertüchtigt sehen, seine Rückkunft in das Miteinander geregelt und angepasst zu gehen. Allein der Umstand, dass Haftinsassen keinen Fürsprecher für sich haben, darf die Politik nicht aus der Verpflichtung entlassen, gerade den Strafvollzug immer wieder neu auf den Prüfstand zu stellen und an das moralische und normative Wachstum einer Gesellschaft anzugleichen. Dass man mit diesem Thema wohl kaum Stimmen bei der nächsten Wahl gewinnen kann, entlässt die Verantwortlichen nicht aus ihrer Aufgabe, ein existenzielles Minimum für all diejenigen herbeizuführen, die sich in ihrer Lage nicht gegen Missstand und Ungerechtigkeit wehren können. Schon das Gewissen muss uns leiten, auch Gefangene als unsere Nächsten zu begreifen.

Dennis Riehle - 06:07:28 @ Gesellschaft

10.08.2022

Jetzt wird die FDP sogar zum Totalausfall!

Kommentar

Dass die Freien Demokraten in sozialpolitischer Hinsicht ein Rohrkrepierer sind, haben spätestens die taktlosen und völlig unsensiblen Einlassungen des jüngst in Protz und Pomp zur Trauung angetretenen Bundesfinanzministers über die „Gratis-Mentalität“ beim Blick auf das 9-EUR-Ticket offenbart. Langzeitarbeitslosen das Geld kürzen, Grundsicherungsempfänger verfassungswidrig unter das sozioökonomische Existenzminimum absinken lassen und nicht zuletzt mit Porsche klüngeln, Krisenprofiteure vor dem Fiskus bewahren und europaweite Übergewinnsteuern für Deutschland ausschließen:

Die Liberalen haben sich selbst zur lobbyistischen Klientelpartei degradiert - und waren nur noch als Wächter über die Grundrechte zu gebrauchen. Doch auch damit ist jetzt Schluss: Bundesjustizminister Buschmann hat sich gegen Teile der eigenen Partei gerichtet, als er mit Panikmacher Lauterbach das neue Impfschutzgesetz ausarbeitete - und uns alle im Herbst zur Maskenpflicht zwingen will, wenn wir uns denn nicht im Quartalsrhythmus impfen lassen.

Da hatte die Fraktion einst noch gegen die allgemeine Pflicht zur Immunisierung votiert - und jetzt unterwirft sich auch noch die letzte politische Kraft des demokratischen Spektrums der Sucht nach dem Piks, ohne Empfehlung der Ständigen Impfkommission oder der entsprechenden Fachinstitute. Dass die Gelben bei ihrem sonst so selbstbewussten Auftreten einmal vor des Professors eigensinnigen Studieninterpretationen einknicken würden, hätte ich mir tatsächlich nicht träumen lassen - wenngleich man bei der FDP mittlerweile gar nichts mehr ausschließen sollte.

Der Schutz des Menschen vor einer blinden Impfwut des medienerhaschenden und Harvard-verliebten Warnministers aus der SPD, das wäre gerade die Aufgabe der Liberalen. Doch selbst in ihrer Kernkompetenz versagt sie nun. Eigentlich gibt es keinen Grund mehr, warum die Freien Demokraten noch gebraucht würden. Selbst ihre wirtschaftsnahen Förderer verstehen die soziale Kälte der FDP in Zeiten einer Stagflation kaum.

Und nun müssen auch noch Anhänger einer vernünftigen, verhältnismäßigen und aus Bedacht geleiteten Pandemie-Politik den Scherbenhaufen in sich zusammenfallender Freiheitsrechte einer vormals so staatstragenden und die Vor- und Nachteile von Grundrechtseingriffen abwägenden Partei Scheels, Dehlers oder Baums mit ansehen. Was bleibt? 6 Prozent in den Umfragen…

Dennis Riehle - 03:59:12 @ Politik

09.08.2022

Impfschäden: Selbsthilfe bemängelt hohe Zahl an Ablehnungsbescheiden

Pressenotiz
Im Zweifel für den Angeklagten, das Vakzin

Die bundesweit aktive Selbsthilfeinitiative Impfkomplikationen verzeichnet eine wachsende Zahl an abgelehnten Anträgen auf Anerkennung von Impfschäden durch den Staat. Wie der Leiter des Angebots, Dennis Riehle, aktuell mitteilt, scheinen bisher nur eine geringe ein- bis zweistellige Zahl an positiven Bescheiden ergangen. Dass dagegen die überwiegende Mehrheit der Eingaben zurückgewiesen werde, hänge an der Auslegung des Impfschutzgesetzes durch die jeweiligen Versorgungsbehörden der Stadt- und Landkreise, welche einen nahezu lückenlosen Nachweis forderten. Nur, wenn man zur Überzeugung gelange, dass Argumente eindeutig für den ursächlichen Zusammenhang zwischen Impfung und eingetretenen Beschwerden sprechen, könne ein Impfschaden festgestellt und soziale Entschädigung ausbezahlt werden. Doch ein solcher Beweis ist zumindest unter den Anforderungen der Ämter kaum zu erbringen: „Wir erleben es sehr häufig, dass es eine unmittelbare zeitliche Nähe von Immunisierung und aufgekommenen Symptomen einer typischen Impfnebenwirkung gibt – und doch wird Anspruch versagt. Man wird nie zu 100 Prozent belegen können, dass Kausalität besteht. Und trotzdem sehen wir: Obwohl mehrere Mediziner unabhängig voneinander zur Einschätzung eines ‚höchstwahrscheinlichen‘ Impfschadens kommen, lehnen Behörden dies ab“.

Betroffene hätten es besonders schwer, ihre Rechte durchzusetzen, weil die Ämter grundsätzlich misstrauisch seien und etwaige Beschwerden nach der Impfung als Zufall ansähen oder sie als tagesaktuellen Ausdruck einer vorbestehenden Erkrankung einstuften – mit der Konsequenz, dass aus ihrer Sicht die Wahrscheinlichkeit höher sei, wonach man unter zufällig nach der Immunisierung aufgetretenen Krankheiten leide, die auch erschienen wären, hätte man kein Covid-Vakzin erhalten: „Die Bescheide der Versorgungsämter enthalten oftmals Totschlagargumente. Gerade Menschen, die bereits vor der Impfung von bestimmten Krankheiten betroffen waren, werden enttäuscht. Sie werden auf ihr ursprüngliche Leiden oder sogar auf etwaige psychische Wahrnehmungsstörungen verwiesen – zu Deutsch: Sie bildeten sich die Impfkomplikation letztlich nur ein“. Teilweise seien die Begründungen fadenscheinig und beleidigend – und allzu oft voller Rechtsmängel, erklärt Dennis Riehle, welcher mit seiner Selbsthilfeinitiative Betroffene als Sozialberater unterstützt und zur schlussendlichen Erkenntnis gelangt: „Ob Simulation, seelische Verwirrung oder Grunderkrankung – irgendeinen Grund findet das Versorgungsamt fast immer, entsprechende Anträge abzulehnen. Dabei seien die Bescheide häufig sogar selbst an vielen Stellen derart fehlerhaft und angreifbar genug, um unbedingt Widerspruch einzulegen und sich nicht mit der ersten Entscheidung der Behörde abzugeben“.

Riehle empfiehlt gerade dann, wenn Impfkomplikationen explizit immer nur nach einer Immunisierung auftraten und seither angehalten halten, seien es neue Symptome oder verschlechterte Gesundheitsstörungen bei einer vorbestehenden Krankheit, den Bescheid nicht auf sich sitzen zu lassen. Gerade die zeitliche Unmittelbarkeit zur Impfung kann ein wesentlicher Grund sein, die Beweiskette zu führen. Und auch fortdauernde Symptomatik, die übliche Krankheitsbeschwerden in Dauer und Ausmaßen deutlich übersteigen, sind ein wesentliches Argument, das man sich penibel und detailliert vom Arzt attestieren lassen sollte. „Schlussendlich muss man den Eindruck gewinnen, dass die Behörden mit Macht versuchen, das Vorkommen von etwaigen Impfschäden zu verleugnen, damit die Entschädigungszahlungen so gering wie möglich ausfallen und das Thema weiterhin unter die Decke gekehrt werden kann. Das hat mittlerweile durchaus den Anschein eines systematischen Kleinhaltens. Man hat jedoch schon früher erkennen können, dass solche Versuche der Vertuschung am Ende nicht erfolgreich waren“, so Riehle, der ebenfalls betroffen ist, dem es aber keinesfalls darum geht, das Problem zu dramatisieren. Er selbst habe sich aus Überzeugung impfen lassen und würde von der Verabreichung von Vakzinen auch heute keinesfalls pauschal abraten. Stattdessen gehöre es zur Ehrlichkeit dazu, die Möglichkeit von Impfkomplikationen ehrlich zu benennen und Opfern von Impfschäden die ihnen gesetzlich zustehenden Ausgleiche zukommen zu lassen. „Es geht also nicht um eine Impfgegnerschaft, sondern um authentisches und transparentes Verfahren mit einer Situation, die für uns noch immer neu und kompliziert ist“.

Die Selbsthilfeinitiative ist unter Mail: info@selbsthilfe-riehle.de bundesweit kostenlos erreichbar.

Dennis Riehle - 05:09:44 @ Selbsthilfe

05.08.2022

Ehrenamtliche Beratungsstelle hilft bei Wiedereingliederung nach Gefängnisaufenthalt

Pressenotiz
Leiter der Psychosozialen Sprechstunde Konstanz betrachtet Strafvollzug des 21. Jahrhunderts kritisch

Die Psychosoziale Sprechstunde in Konstanz hat in der ersten Jahreshälfte 2022 insgesamt 12 Personen beraten, die straffällig geworden waren und nach Gefängnisaufenthalt oder Verurteilung eine Wiedereingliederung versuchten. Wie der Leiter des ehrenamtlichen Angebots, Dennis Riehle, in einer entsprechenden Aussendung feststellt, ging es vor allem um Fragen nach Anspruch auf Sozialleistungen, Unterstützung bei der Wohnungssuche, Rückkehr in den Arbeitsmarkt und seelische Probleme.

Der Psychologische, Sozial- und Integrationsberater beschreibt die oftmals großen Herausforderungen für Menschen nach einer Haft- oder Bewährungsstrafe: „Weiterhin bleiben Betroffene diskriminiert und stigmatisiert. Mit einem solchen Eintrag im Lebenslauf lässt es sich gerade im Beruf nur schwer Fuß fassen. Und auch die persönlichen Kontakte zu Freunden und Angehörigen sind nicht selten abgebrochen, es findet eine Entfremdung und häufig eine Zurückweisung statt, was die straffällig Gewordenen in eine zusätzliche Belastungssituation führt, in der sie Unterstützung und psychischen Beistand benötigen. Gerade Haftentlassene sind durch den Gefängnisaufenthalt wiederkehrend traumatisiert und haben enorme Schwierigkeiten, sich zu resozialisieren. Insofern muss man im 21. Jahrhundert durchaus die Frage stellen, ob der Justizvollzug in seiner bisherigen Form tatsächlich noch zeitgemäß und mit dem Verständnis universeller Menschenrechte vereinbar ist. Immerhin wird mit dem derzeitigen Wegsperren oftmals keine Reue und Einsicht bei den Straftätern bewirkt, ganz im Gegenteil“, meint Dennis Riehle.

„Das Klima in der Haft befördert allzu oft neue Gewalt und lässt emotional abstumpfen. Durch die Abschottung verlieren Gefangene jeglichen Anschluss an das gesellschaftliche Leben und es bedarf eines unheimlichen Aufwandes, diese Distanz nach der Rückkehr in die Freiheit abzubauen. Ob es nicht andere Wege für die Ahndung von Straftaten gibt und inwieweit bereits bestehende Alternativen ausgebaut werden sollten, muss die Politik klären. Die ethische Auseinandersetzung lässt in jedem Fall vermuten, dass die bisherige Praxis erhebliche Kollateralschäden hinterlässt, die nicht im Verhältnis zum Sühnegedanken stehen und daher überdacht werden sollten. Bis zu einem Kurswechsel werde ich mich auch weiterhin für die Anliegen und Anfragen von Menschen offen zeigen, die straffällig geworden sind. Sie haben es verdient, unvoreingenommen betrachtet und mit ihrer persönlichen Lebensgeschichte und den individuellen Beweggründen für ihr Fehlerverhalten respektiert zu werden“, so Riehle. Es brauche eine Enttabuisierung des Themas in der Öffentlichkeit, damit eine Veränderung zivilisatorisch mitgetragen wird, erklärt der gelernte Laienprediger, der abschließend feststellt: „Vergebung und Versöhnung muss im Mittelpunkt jeglicher strafrechtlichen Aufarbeitung von Vergehen und Verbrechen stehen, diesbezüglich braucht es deutlich mehr Anstrengungen“.

Die Psychosoziale Sprechstunde ist als ehrenamtliches Angebot bundesweit kostenlos und niederschwellig per Mail erreichbar: beratung@psychosoziale-sprechstunde.de.

Dennis Riehle - 06:25:16 @ Gesellschaft

04.08.2022

Warum ich meinem eigenen “Wikipedia”-Eintrag nicht traue…

Kommentar

Vor vielen Jahren gab ich meinen Namen in eine Suchmaschine ein – und war verblüfft, als ich das Ergebnis sah: An oberster Stelle erschien ein „Wikipedia“-Eintrag, der offenbar meine Person behandelte: https://de.wikipedia.org/wiki/Dennis_Riehle. Erstaunt über die Tatsache, dass es anscheinend wildfremde Menschen gab, die meine Persönlichkeit als derartig wichtig erachteten, für sie einen Text in der „freien Enzyklopädie“ anzulegen. Und ich war wirklich positiv überrascht gewesen: Wesentliche Teile des Beitrags entsprachen der Realität – und wurden wahrheitsgetreu wiedergegeben. Dass ich als einfacher Autor einen Platz in diesem Lexikon finden würde, ehrte mich sehr. Doch meine Begeisterung währte nicht lange fort: Schon bald wurden am Eintrag immer wieder neue Veränderungen vorgenommen, die sich zunehmend von der Realität entfernten, oftmals überaltert oder gänzlich falsch waren. Verschiedene Autoren machten sich mittlerweile am Text zu schaffen.

Das waren Funktionäre von „Wikipedia“ selbst, aber auch anonyme Nutzer, die so manche Wahrheit durcheinanderbrachten, tendenzöse Inhalte publizierten und damit einen Gesamteindruck meiner Person kreierten, den ich selbst nicht mehr wiedererkannte. Die Folge war schließlich, dass der Beitrag wiederholt zur Löschung oder zur Diskussion markiert wurde. Er hat viele Debatten überstanden, scheint mittlerweile aber nicht mehr neutral zu sein. Dass ich diesem Geschehen lediglich als Zaungast zusehe und mich über jede neue Änderung verwundere, brachte mich schließlich dazu, dem Text über meine eigene Person nicht mehr zu trauen und eher auf jede Anpassung des Eintrags gespannt war. Dass „Wikipedia“ rufschädigend sein kann, ist nicht wirklich neu. Dass ich dort allerdings Dinge über mich erfuhr, welche ich selbst noch nicht kannte, machte mich doch ein wenig stutzig. Dass sich mir unbekannte Menschen an meiner Lebensgeschichte zu schaffen machten und eine scheinbare Wirklichkeit schufen, die zeitweise nicht mehr viel mit der echten Tatsächlichkeit zu tun hatte, besorgte mich nicht nur im Blick auf meine Person.

„Wikipedia“ will sich als eine niederschwellige Informationsquelle verstehen. Doch mit ihrem Anspruch, frei und demokratisch zu sein und eine Enzyklopädie zum Mitmachen geschaffen zu haben, scheint man längst gescheitert. Da bestimmen einige Wenige darüber, welche Einträge online gehen und welche Korrekturen an Artikeln zugelassen werden. Das hat eher oligarchische Strukturen – und wenig mit Mitbestimmung der Vielen zu tun. Denn auch wenn theoretisch jeder an den Texten Veränderungen vornehmen kann, obliegt es letztlich den legitimierten Administratoren, diese freizugeben oder zu verwerfen. So konnte ich auch bei meinem Eintrag die Situation beobachten, dass Aktualisierungen und Ergänzungen offenbar mit viel Mühe und ausführlicher Quellenangabe zusammengetragen wurden, schlussendlich von einzelnen „Wikipedia“-Mitwirkenden rückgängig gemacht werden, weil sie einen distanzierten Sprachstil vermissten oder singulär meinten, Textteile entsprächen nicht den Anforderungen eines Lexikons. Letztendlich herrscht in der Enzyklopädie Willkür und das repräsentative System ist gescheitert.

Denn die Kontrolle über die immer wieder gleichen Admins, die sich an Einträgen verwirklichen wollen und Textpassagen nach ihrem Gusto streichen oder ändern, fehlt ganz offenkundig. Es sind die Einzelnen, die über ein gemeinsames Projekt herrschen und die Option haben, Menschen nach ihrem Willen im öffentlichen Licht nach Belieben so darzustellen, dass ihre subjektive Objektivität gewahrt bleibt. Doch wer bestimmt tatsächlich, was über eine Personen, einen Gegenstand oder ein Thema tatsächlich wissenswert ist? Individuen sind in der Regel stets voreingenommen, nur ein kritisches Korrektiv der Vielen kann vor Vereinnahmung schützen. Ursprünglich war dieser Gedanke der gegenseitigen Überprüfung durch die Gesamtheit aller Nutzer oberstes Ziel von „Wikipedia“. Mittlerweile ist das Lexikon zu einem Abbild solcher Nachrichten und Fakten geworden, die die ausgewählten Funktionsträger des Projekts für richtig, erwähnenswert und nachhaltig ansehen.

Am Ende sind Beiträge in der Enzyklopädie mit wachsender Vorsicht zu genießen. Denn viele Artikel liefern nur einen begrenzten Blick auf das jeweilige Subjekt. Selektion und Verzerrung, aber auch eine bewusste Fokussierung auf Nebensächlichkeiten haben nunmehr Einzug gehalten. Nein, „Wikipedia“ soll in keinem Fall Werbeplattformen für Persönlichkeiten oder Dinge werden, die unreflektiert nur das Positive aufzeigt. Das wäre in einem Land der Meinungsfreiheit unangemessen. Doch gleichzeitig darf sie auch nicht zur Plattform von Denunziation werden. Das Maß dazwischen zu finden, scheint dem Lexikon in seinem derzeitigen Aufbau aber sehr schwer zu fallen und es wird seinen eigenen, zu Anfang formulierten Kriterien und Ansprüchen nicht mehr gerecht. Entsprechend lohnt es sich durchaus sehr, jede Information und Darstellung aus „Wikipedia“ gegen zu prüfen und sich selbst abseits dieses Angebots ein Gesamtbild darüber zu machen, wonach wir suchen. Die Enzyklopädie sollte nicht das alleinige Medium sein, über das wir uns Wissen beschaffen. Dafür ist es zu unstet und anfällig für Torpedierung und Untergrabung.

Ich habe mittlerweile aufgehört, die „Versionsgeschichte“ meines Eintrages nachzuverfolgen. Die ständigen Änderungen am Text durch Dritte entbehren heute meist jedem Ansinnen auf Zuverlässigkeit und Vollständigkeit. Offenbar müssen wir im 21. Jahrhundert damit zurechtkommen, dass sich Andere an unserer Vita vergreifen. Jeder muss für sich entscheiden, welche Mischung aus Informationsquellen am zuverlässigsten ist. Ich bin froh, dass ich selbst am besten über mich Bescheid weiß. Was „Wikipedia“-Administratoren aus mir machen, lässt mich in Zeiten der kaum noch zu bändigenden Aktivität des Internets mit all seinen Nachteilen recht kalt. Gleichsam habe ich für mich entschieden, wieder auf das bewährte Lexikon in gedruckter Form zurückzugreifen, wenn ich tatsächlich an normativen Fakten und nicht geschwärzter Wahrheit interessiert bin. Die bekannte Enzyklopädie des Webs braucht eine Überarbeitung, wenn sie ihren Ruf halten will. Die derzeitigen und kaum nachvollziehbaren Regelungen über die Hoheit der Einträge hat sich als unbrauchbar und obsolet erwiesen. „Wikipedia“ ist zum Spielball für all jene geworden, die über Andere bestimmen möchten. Die Gier nach Macht lässt aber jede Unabhängigkeit zurück. Wer Wissen verbreiten will, sollte zuerst Verantwortung üben.

Dennis Riehle - 05:26:59 @ Persönliches