Dennis Riehle

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06.11.2021

Respekt vor den Soldaten, Kritik an der Armee

Leserbrief
zu: „Bundeswehr-Aussagen der Linken sorgen für Empörung“, „HL-LIVE“ vom 04.11.2021

Nein, nicht die Aussagen der LINKEN in der Lübecker Bürgerschaft befremden. Viel eher sind es die Vorwürfe der Christdemokraten gegen die pazifistische Haltung der Linksfraktion. Es ist gar empörend, wenn sich die CDU anzumaßen versucht, Geschlossenheit und Respekt vor dem eigenen Land mit der Unterstützung der Bundeswehr zu verknüpfen. Niemand „entfernt“ sich von unserem Staat, wenn er die Armee und die zunehmende Militarisierung auch der Bundesrepublik in berechtigte Frage stellt. 

Im Gegensatz zu anderen Parteien verfolgt DIE LINKE eine konsequenten Skepsis und Ablehnung gegenüber gewaltsamer Konfliktlösung in den Ländern der Welt – und hat sich damit als echte Friedenskraft etabliert. Insbesondere unter dem Aspekt der deutschen Geschichte scheint es dringender denn je geboten, unser Land zur Neutralität hinzuführen und zum diplomatischen Moderator von internationalen Auseinandersetzungen fortzuentwickeln.  

Langfristiges Ziel muss es sein, die Truppe zu einem vorrangigen Unterstützer in der Katastrophenhilfe umzustrukturieren. Denn es ist das oberste Ziel unserer Gesellschaft und unseres Parlaments, den Dialog zu fördern und Kriege abzuwenden. Selbiges kann aber nur gelingen, wenn wir die Bundeswehr aus einem gewissen Abstand betrachten und ihren derzeitigen Status auf den Prüfstand stellen. Das hat – im Gegensatz zur Meinung der CDU in Lübeck – nichts mit Misstrauen gegenüber den Soldaten zu tun. Sie leisten ihren Dienst in den allermeisten Fällen in größter Verantwortung und Sorgsamkeit – und können daher nicht Ziel antimilitärischer Kritik sein.

Pazifismus und seine ablehnende Haltung gegenüber jeder Form von Waffengewalt ist vom Grunde her auf die Institution der Armee gerichtet, nachdem davon ausgegangen werden kann, dass sie auch im 21. Jahrhundert in Mitteleuropa vornehmlich nicht der Landesverteidigung dienen muss, sondern als Kampftruppe in den Krisenherden rund um den Globus zum Einsatz kommt. Zweifelsohne bleibt in manchen Fällen lediglich die Intervention durch Armeen als letzter Ausweg, um weiteres Blutvergießen zu verhindern. 

Dennoch muss uns die Vision eines friedlichen Zusammenlebens leiten, wozu eben auch die klare Aussendung gehört, weltweit abrüsten zu wollen. Wenn es niemanden gibt, der dieses Ziel ernsthaft und sichtbar verfolgt, bleibt es eine Utopie. Daher ist es Auftrag einer linken Stimme in Deutschland, die Zweifel an militärischem Handeln und kriegerischen Außeneinsätzen aufrechtzuerhalten. 

Die Wertschätzung gegenüber des Soldaten als Menschen mit seinem Entschluss, für die Bundesrepublik einzutreten, schmälert dies in keinem Fall. Im Gegenteil: Pazifisten sorgen sich um die Sicherheit und das Wohl von Bundeswehrangehörigen. Deshalb sind die Vorwürfe der Lübecker Christdemokraten gegen DIE LINKEN als verleumderisch und böswillig zurückzuweisen.

Dennis Riehle - 09:27 @ Politik