Dennis Riehle

  

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Offenes Schreiben an das Paul-Ehrlich-Institut
Ich bin kein Corona-Leugner und kein Impf-Gegner, ich will lediglich Transparenz!
Offener Brief_PEI_Mögliche Langzeitfolgen der Corona-Impfung.pdf (5.82KB)
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an dieser Stelle haben Sie die Möglichkeit, in meinem Blog von mir verfasste Texte zu lesen. Darunter finden sich Pressemitteilungen, Leserbriefe und Standpunkte zu Themen der Zeit, kritische Stellungnahmen zu gesellschaftlichen Entwicklungen sowie soziale und politische Meinungsbeiträge, die nicht den Anspruch erheben, in jedem Fall dem "Mainstream" zu entsprechen. Deshalb ist es nicht ausgeschlossen, dass Sie manche Beiträge nachdenklich machen oder gar Ihre eigene Gegendarstellung provozieren. Gerne können Sie mir deshalb auch Ihr Feedback unter Mail: Riehle@Riehle-Dennis.de zukommen lassen. Ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen!


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12.10.2021

Wenn sich der Staat auf die moralische Ebene von Verbrechern hinabgibt…

Leserbrief
zu „Zum Welttag gegen die Todesstrafe“, „Tagesspiegel“ vom 11.10.2021

Viele Opfer von Gewalttaten haben oftmals nur eine einzige Forderung: Genugtuung. Dass sich hinter dieser zunächst verständlichen Emotion nicht selten der Wunsch nach Rache versteckt, machen nicht nur Parolen an Stammtischen deutlich. Populistische und polemische Rufe nach Gerechtigkeit im biblischen Sinn: „Auge um Auge“ – solch ein Verständnis von Bestrafung ist mit einem aufgeklärten Rechtssystem nicht mehr vereinbar. 

Wenngleich es jeder menschlich nachvollziehen mag, dass Geschädigte ihren Peinigern nicht selten den Tod an den Hals wünschen mögen, bleibt das bestialische und grausame Verurteilen zum Ableben durch Giftspritze, Erschießung oder den Henker ein Relikt des Mittelalters, als die Sozialisation des Menschen noch nicht derart fortgeschritten war, dass Reue, Sühne und Buße in den Wortschatz der Gesellschaft Eingang gefunden hatten. 

Man entledigte sich derjenigen, die schlimmste Taten begangen hatten – sparte damit Geld und Personal. Letztendlich schien man auch weite Teile der Bürger dabei hinter sich zu haben, denn von einer unantastbaren Würde, die jedem Menschen zuteilwird, wusste man damals noch nichts. Und auch heute haben viele Länder dieser Erde weiterhin nicht begriffen und verinnerlicht, dass es einem demokratischen Justizwesen wohl keinesfalls gut zu Gesicht steht, wenn sich der Staat nicht nur moralisch auf die Ebene von Tätern stellt. 

„Aus den Augen, aus dem Sinn“ – so vermag mancher Politiker extremistischer Parteien denken, die nichts davon halten, eine zweite Chance zu geben und wiedereingliedern zu wollen. Da sind Straftäter stigmatisiert und gebrandmarkt, werden weggesperrt und liegen dem Steuerzahler allzeit auf der Tasche. Zweifelsohne mag man sich fragen, ob der Tod einem solchen Dahinvegetieren nicht sogar vorzuziehen wäre. Dennoch rechtfertigt im 21. Jahrhundert nichts länger die Todesstrafe, weil sie letztlich ein Ausdruck von Dummheit und Einfältigkeit ist. 

Denn es mag leicht sein, aus einem Miteinander jene zu sieben, die aus Sicht der Proleten und aus der Engstirnigkeit von Hetzern heraus nichts anderes verdient haben, als für ihre Taten mit dem Ende des irdischen Daseins bezahlen zu müssen. Machtausübung und Härte – der Staat soll zeigen, dass auch er in der Lage ist, über Menschenleben bestimmen zu können. Allerdings ist genau das nicht seine Aufgabe. Denn er ist als rechtsstaatliche Institution und Behüterin der Verfassung schon deshalb nicht dazu ermächtigt, seinen Bürgern nach der Existenz zu trachten, weil er als letzte Instanz für diese Vergeltung nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden kann. 

Außerdem besitzt er aus ethischer Perspektive die Verpflichtung dazu, friedenstiftend zu wirken und dabei allseits bewahrend vorzugehen. Denn wir wissen darum, dass die Todesstrafe höchstens kurz befriedigt, ehe die Skrupel aufkommen, ein weiteres Leben unnützerweise genommen zu haben. Schließlich zerstört sie nur ein zusätzliches Dasein, die Abgeltung verschwindet nach wenigen Augenblicken wieder – weil nun keine Chance mehr besteht, ein Verbrechen unter Nutzung aller Synergien dialogisch aufzuarbeiten. Die Todesstrafe verhindert jegliche Buße und verabsolutiert den Staat zum Souverän. Diese Umdrehung des demokratischen Verständnisses der Gegenwart befähigt weltliche zur unirdischen Gerichtsbarkeit. 

Das ist eine Anmaßung und lässt jede Zivilisation tief sinken, weil sie somit ihren humanistisch erworbenen Normen selbst nicht mehr standhalten kann. Mit dem Sterben eines Sträflings wird kein Opfer je wieder lebendig. Allein als Gegenschlag Verurteilte zu opfern, ist sinnfrei und erfolglos. Denn ein denkbares Ziel, das unter der Schrecklichkeit einer Tat allenfalls noch zur Lösung angestrebt werden kann, ist Versöhnung. Sie hätte einen Mehrwert und könnte Ruhe zurückbringen. Die Todesstrafe dagegen hinterlässt unnötige Wunden, Fragen, Endlosigkeit und Schuld.

Dennis Riehle - 09:29 @ Gesellschaft