Dennis Riehle

  

Blog (www.dennis-riehle-blog.de)

 

 

Liebe Besucher,


an dieser Stelle haben Sie die Möglichkeit, in meinem Blog von mir verfasste Texte zu lesen. Darunter finden sich Pressemitteilungen, Leserbriefe und Standpunkte zu Themen der Zeit, kritische Stellungnahmen zu gesellschaftlichen Entwicklungen sowie soziale und politische Meinungsbeiträge, die nicht den Anspruch erheben, in jedem Fall dem "Mainstream" zu entsprechen. Deshalb ist es nicht ausgeschlossen, dass Sie manche Beiträge nachdenklich machen oder gar Ihre eigene Gegendarstellung provozieren. Gerne können Sie mir deshalb auch Ihr Feedback unter Mail: Riehle@Riehle-Dennis.de zukommen lassen. Ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen!


Ihr Dennis Riehle


V.i.S.d.P. für diesen Blog:

Dennis Riehle

Martin-Schleyer-Str. 27

78465 Konstanz

Mail: Riehle@Riehle-Dennis.de



Hinweis: Auch für diese Seite gelten Impressum/Disclaimer und Datenschutz.
In diesem Blog sind leider keine außenstehenden Kommentare möglich.


18.07.2021

Zwischen Beratungsresistenz und eigennütziger Hybris…

Kommentar
zu den Protesten gegen das zweite Neubauprojekt in der Litzelstetter Ortsmitte

Es scheint wie ein „Déjà-vu“ zu sein: Wieder protestieren Bürger in der Litzelstetter Ortsmitte gegen ein Bauvorhaben, wie es vor rund einem Jahrzehnt schon einmal geschehen war. Damals ging es um das von der WOBAK gekaufte Grundstück an der Ecke Martin-Schleyer-Straße / Kornblumenweg, auf dem bis heute noch kein Neubau entstanden ist. 

Beim aktuellen Projekt nebenan, das die Schaffung eines Studentenwohnheims am Aufgang von der Hauptstraße in den Kuckucksweg vorsieht, scheinen sich die Dinge nun zu wiederholen: Zu groß, zu massiv und städtebaulich unpassend. Ähnliche Prädikate wurden auch den anfänglichen Planungen für das „Betreute Wohnen“ zugeschrieben, welches nun seit Jahren nicht vorankommt und stattdessen noch immer das alte Gebäude auf dem Gelände der Wohnungsbaugesellschaft brachliegt. 

Dabei hat man gesehen, wie sinnstiftend die Einbeziehung der Bevölkerung sein kann. Mit einem strukturierten Beteiligungsprozess konnte man einst dazu beitragen, dass eine breite Ablehnung zumindest in Kompromissfähigkeit umgemünzt wurde. Die Menschen haben es postwendend goutiert, dass sie in die Diskussion um den Dorfkern als zentralem Begegnungsort einbezogen wurden und durch einen von ausgewählten Einwohnern mitgestalteten Workshop samt fachkundiger Begleitung von extern mit den Verantwortlichen ins Gespräch kommen konnten. 

Die Maximalforderungen konnten selbstredend auch in den weiterentwickelten Entwürfen nicht umgesetzt werden. Trotzdem hat man von beiden Seiten durch umfassende Aufklärung, Information und Gedankenaustausch mit dem nun vorliegenden Exposee Frieden geschlossen. Heute ist man viel eher durch das schleppenden Verfahren verärgert, das dem Litzelstetter Herzstück mittlerweile schon einen jahrelang bestehenden Schandfleck beschert. Bei den nun derzeit diskutierten Absichten zum Hochziehen eines Wohnheims kann ich als mittelbarer Anwohner die Aufregung verstehen, denn die Angst vor zwei Bauklötzen nebeneinander ist groß. 

Eine Ortsmitte sollte ein identitätsstiftender Platz sein, der nicht nur als Treffpunkt und zum Verweilen dient, sondern vor allem das Leitbild einer Dorfgemeinschaft abbildet. Letztendlich war man sich bereits 2012 einig, dass von Litzelstetten nicht die Botschaft der Betonklauberei nach draußen vermittelt werden soll. Ob der Auftraggeber des nun zweiten Unterfangens die zurückliegende Entwicklung mitverfolgt hat, kann man nur mutmaßen. Möglicherweise zieht er sich auf das abgewandelte Sprichwort zurück: „Ist erst auch das Zentrum ruiniert, lebt sich’s selbst gar dort recht ungeniert“.

Nachdem die öffentliche Hand erkannt hat, dass es mit der Gesellschaft gemeinsam leichter ist, zu einem versöhnlichen Ergebnis zu gelangen, dürfte diese Einsicht nicht bei allen angekommen sein, die gegenwärtig oder morgen daran denken, in Litzelstetten Häuser zu errichten. Wir müssen in Zeiten knappen Wohnraums an Innenverdichtung denken, daran wird kaum jemand zweifeln. Bedenklich ist aber manch Selbstüberheblichkeit nach dem Motto: „Friss oder stirb!“. 

Da werden Tatsachen geschaffen, ohne den Dialog mit jenen zu führen, auf deren Nachbarschaft die Mieter zukünftig angewiesen sein werden. Wie soll also gerade in einem peripheren Umfeld, in dem der Quartiersgedanke noch etwas wert ist, ein harmonisches Miteinander entstehen, wenn bereits bei der Konzeptionierung das Umfeld außen vor bleibt? Man mag vermuten, dass es zu einer Renaissance der Uneinsichtigeit gekommen ist. 

Denn scheinbar vermag der Gedanke der Partizipation vor allem bei privaten Bauträgern nicht verfangen zu haben. Egal, ob für den Selbstzweck oder zum Vermieten: Jedem, der Wände in die Höhe treibt, sollte sich unter gestalterischen Aspekten regelmäßig einer Selbstreflexion öffnen und die eigenen Vorstellungen, Entwürfe und Ansprüche auf Effizienz unter architektonischen Gesichtspunkten kritisch betrachten. 

Natürlich bleibt es jedem „Häuslebauer“ schlussendlich unbenommen, nach seiner Fasson Wünsche zu entwickeln. Doch unser Grundgesetz schenkt ihm nicht nur die Freiheit zur Entfaltung, sondern: „Eigentum verpflichtet!“ – und das gilt bereits bei der Idealisierung. Insofern kann ihm auch die Verantwortung abverlangt werden, seine Zielvorstellung im Sinne des Gemeinnutzens an die stadtplanerische Umgebung anzupassen. Denn viel mehr wollen die Litzelstetter auch gar nicht…

DennisRiehle - 07:15 @ Kommunales