Dennis Riehle

  

Blog: Meine Kommentare, Meldungen und Standpunkte


An dieser Stelle möchte ich Ihnen regelmäßige Verlautbarungen meiner Person zugänglich machen, die die unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereiche betreffen. Dabei ist es mir wichtig, dass nicht alle Positionen dem heutigen "Mainstream" entsprechen, sondern durchaus auch zum kontroversen Debattieren anregen sollen. Schauen Sie doch immer mal wieder vorbei und lesen Sie die neuesten Einträge! Viel Vergnügen dabei!


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07.04.2021

Und schon wieder geht das Abendland unter…

Leserbrief zur Berichterstattung über die Neuregelung des „Transsexuellengesetzes“, „Tagesspiegel“ vom 10. März 2021

Es ist ein typisches Beispiel für „Fake News“: Die konservativen Kräfte im Land schreien auf – und verbreiten Unwahrheiten. Das ist nichts Neues, dennoch lohnt es sich, die Dinge zurechtzurücken. Denn was auf einschlägigen Portalen zum „Gesetz über die Neuregelung zur Änderung des Geschlechtseintrags“ verbreitet wird, zu dem die Bundesregierung einen Entwurf vorgelegt hat, ist rückwärtsgewandte Propaganda pur. Nach vielen Anläufen soll das völlig überholte und teilweise gegen die Verfassung verstoßende „Transsexuellengesetz“ reformiert werden. 

Dass damit die Genderisierung vorangetrieben, Persönlichkeitsmerkmale vermischt und familiäre Rollenbilder zerstört würden, ist ein Hirngespenst derjenigen, die sich vor einer pluralistischen Gesellschaft fürchten. Es ist zwingend notwendig, dass wir Menschen die Möglichkeit einräumen, über ihre sexuelle Identität selbst zu bestimmen. Wer sich in einem anderen Geschlecht sieht, muss das Recht erhalten, die notwendigen Maßnahmen zur Angleichung ergreifen zu können. Und dazu gehört im Wesentlichen der Anspruch darauf, in den Registern der Meldeämter das Genus ändern zu lassen. Für die Betroffenen ist diese Freiheit ein Ausdruck von Selbstbestimmung auf dem langen Weg, ein eigenes Ebenmaß zu finden. 

Auch denjenigen, die heutzutage noch immer nicht bereit sind, ein divers gestaltetes Miteinander zu tolerieren, akzeptieren und respektieren, müssen sich mit dem Gedanken anfreunden, dass individuelle Kongruenz eben nicht alleine eine biologische Selbstverständlichkeit ist, die jedem Einzelnen von Anbeginn zugeteilt wird. Vielmehr gehen selbstbewusste Personen gegenwärtig immer öfter auf die Suche nach ihrem wahren Ich, denn die Schöpfung legt unsere Genetik keinesfalls eindeutig fest. Wer weiterhin der Meinung ist, Gott schaffe uns nach dem Bilde von Mann und Frau, der verkennt die Wirklichkeit der Launen unserer Natur. 

Für transsexuelle Menschen steht am Ende der Findungsphase ein Ankommen in der authentischen Umgebung. Sie haben Anspruch darauf, dass ihr subjektives Empfinden und die objektiven Eigenschaften ihrer Individualität zu einem deckungsgleichen Ergebnis führen: Nach einem oftmals langen Leidensdruck, seelischen Krisen und einer Odyssee an Begutachtungen, Untersuchungen, Operationen, Therapien und Attestierungen darf der Schritt hin zu den Behörden nicht auch noch mit unnötigen Steinen gepflastert sein. Deshalb bedarf es endlich eines niederschwelligen Zugangs zur Anpassung der Personenstandsdaten. Wir zerstören damit weder unser Abendland, noch begehen wir einen Dammbruch. Wir schaffen lediglich Aufarbeitung von lange verwehrtem Recht, das vielen Menschen bislang keine Chance gab, sich offiziell für die Identität zu entscheiden, die man aus Scham, Angst und Not verdrängt, vergessen oder verteufelt hat. Der Anspruch, aus einer oftmals Jahrzehnte andauernden Ich-Dystonie entfliehen zu können, ist nicht nur nachvollziehbar, sondern mit Blick auf Artikel 1 Grundgesetz berechtigt. 

Jede und jeder muss in Deutschland frei darüber bestimmen können, ob und welchem Sexus er und sie sich zugehörig fühlen. Es ist der eigene Körper, es ist die eigene Seele – niemand darf diese Integrität beschneiden, schon gar nicht aus Gründen ideologischer und vorsintflutlicher Traditionen, Normen und kulturellen Anforderungen. Für die Änderung der Personenstandsdaten bedarf es deshalb auch keines gesonderten Beratungsgesprächs, was von Seiten der Bundesregierung laut ersten Entwürfen zur Gesetzesnovelle gefordert worden war. Ich halte eine psychologische Begleitung bei einer Geschlechtsangleichung für zwingend erforderlich und sinnvoll, aber nicht beim Gang zum Amt…

DennisRiehle - 09:10 @ Gesellschaft


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